{"id":9629,"date":"2022-08-06T22:38:55","date_gmt":"2022-08-06T20:38:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=9629"},"modified":"2022-08-07T09:59:59","modified_gmt":"2022-08-07T07:59:59","slug":"der-alte-mann-und-das-meer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=9629","title":{"rendered":"Der alte Mann und das Meer"},"content":{"rendered":"\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=9629\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8195\" title=\"15 Minuten Bildlegenden\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bildergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Seit meiner Jugend tr\u00e4ume ich davon, ein Buch zu schreiben, doch in all den Jahren ist es mir noch kein einziges Mal gelungen, mit einem fertigen Exemplar in den H\u00e4nden aufzuwachen. Sind Tr\u00e4ume doch Sch\u00e4ume und Ziele, die man nie erreicht, bloss falsch gesetzte Ambitionen?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n\r\n<p>An der letzten Klassenzusammenkunft traf ich auf alle F\u00e4lle auf eine ehemalige Schulkollegin, welche mich in diesem Punkt links und rechts \u00fcberholt hat. Sie sei gerade daran, ihr zweites Buch zu vollenden, welches bald als ihr D\u00e9butroman ver\u00f6ffentlicht werden w\u00fcrde, da sich ihr erstes, bereits geschriebenes Buch eher als Folgewerk eigne. An dieser Stelle habe ich etwas den \u00dcberblick verloren, aber Hey! Sie hat mich \u00fcberfl\u00fcgelt und da gilt es, einfach einmal die Klappe zu halten und zuzuh\u00f6ren.<\/p>\r\n<p>Als kleinen Tipp gab sie mir auf den Weg, einfach jeden Tag 15 Minuten zu schreiben. Egal was und egal, ob es Sinn mache oder nicht. Einfach schreiben.<\/p>\r\n<p>Dabei erinnerte ich mich an meinen Blog und eine uralte Idee, die schon l\u00e4ngst auf ihre Umsetzung wartet. Oft passiert es mir beim Betrachten von Fotos und Bildern, dass meine Phantasie sich selbst\u00e4ndig macht und eine kleine Story zu den Bildern kreiert. Was waren die Umst\u00e4nde, dass es genau zu diesem Foto kam. Was passierte davor? Danach?<\/p>\r\n<p>Gedacht, getan. Meine ersten 15 Minuten Tagesschreiben habe ich in ein von mir geschossenes Foto aus dem soeben beendeten Bretagne-Urlaub investiert.<\/p>\r\n<p>Viel Vergn\u00fcgen!<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<h3><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/h3>\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">Bildergeschichten<br \/>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/><span style=\"color: #0000ff;\">Der alte Mann und das Meer<\/span><\/h3>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9641\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/DSCF1276-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/DSCF1276-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/DSCF1276-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/DSCF1276-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/DSCF1276-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/DSCF1276-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/DSCF1276-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\r\n<p>Wie jeden Tag sitzt Bertrand auch heute auf seiner Bank und blickt hinaus aufs Meer. Wobei damit eigentlich einzig die Richtung gemeint ist, in welche er seinen Kopf h\u00e4lt. Wirklich betrachtet hat er das Geschehen vor sich seit ewiger Zeit nicht mehr. Seine ohnehin nicht mehr taufrischen Augen stellen auf nichts scharf. Nicht auf den Horizont, nicht auf die kleine Sandinsel vor ihm, nicht auf die sp\u00e4rlich vorbeiziehenden Strandspazierg\u00e4nger*innen. Seit 87 Jahren lebt Bertrand in seinem kleinen Dorf hier in der Bretagne. Und seit 87 Jahren war es da, das Meer. Manchmal etwas st\u00fcrmischer, launischer, meist jedoch ruhig und unaufgeregt. So wie heute.<\/p>\r\n<p>Bertrand konnte den Fotografierwahn der Touristen noch nie nachvollziehen. Kaum kamen sie den schmalen Weg \u00fcber die D\u00fcne und erblickten zum ersten Mal das Blau das Meeres, zogen sie wie Revolverhelden sofort ihre Smartphones und begannen wild drauflos zu klicken. Begleitet von &#8222;Wow!&#8220; und &#8222;Wahnsinn!&#8220; und &#8222;Unglaublich!&#8220;, jeweils ausgerufen in ihren Herkunftssprachen. Danach betrachteten sie ihre Bilder kurz auf den Displays und fotografierten z\u00fcgig weiter.<\/p>\r\n<p>Das Affentheater der Ortsfremden war Betrand eindeutig zu laut, hektisch und langweilig. Nur der Zufall wollte es, dass er doch noch einen f\u00fcr ihn mehr als ertr\u00e4glichen Zugang zu der Sache fand. Eines Tages vor ungef\u00e4hr f\u00fcnf Jahren sass er mit seiner Enkelin Lilou genau auf dieser Bank und auch damals achteten weder er noch Lilou auf das Meer. Bei Bertrand sind die Gr\u00fcnde bereits bekannt und Lilou, nun Lilou war 15 und betrachtete das Meer h\u00f6chstens auf dem Bildschirm ihres Mobiltelefones. Und genau auf einem solchen schob sie damals gelangweilt mit ihrem Zeigefinger irgendwelche Bilder oder Videoclips nach oben, als sie auf einmal aufgeregt und wild gestikulierend ihren Grossvater anrempelte.<\/p>\r\n<p>&#8222;P\u00e9p\u00e8re! P\u00e9p\u00e8re! Du bist auf Instagram&#8220;, schrie Lilou lauthals und Betrand w\u00e4re fast von der Bank gekippt, h\u00e4tte Lilou ihn nicht im letzten Moment zur\u00fcckgehalten.<\/p>\r\n<p>&#8222;Ich bin auf Instawas?&#8220; fragte Bertrand irritiert und wurde von seiner aufgew\u00fchlten Enkelin aufgekl\u00e4rt. Offenbar hatte ein bekannter Influencer ihn unbemerkt von hinten fotografiert und dieses Bild mit jeder Menge Hashtags verlinkt auf seiner Seite hochgeladen. Gem\u00e4ss Lilou hatte das Bild bereits \u00fcber 10&#8217;000 Likes, worunter sich ihr Grossvater jedoch nicht allzu viel vorstellen konnte.<\/p>\r\n<p>Dennoch ver\u00e4nderte dies Bertrands Auf-seiner-Bank-Sitzen von Grund auf. Bereits in den darauffolgenden Tagen erkannte er, dass sich nicht nur besagter Influencer an seiner R\u00fcckenansicht erfreute, sondern dass mehr als die H\u00e4lfte der auf der D\u00fcne hinter ihm durchspazierenden Touristen zum Stillstand kamen und ihn ablichteten. Selbstverst\u00e4ndlich ungefragt und unbezahlt. Bertrand wurde zum Star Hunderter virtueller Fotoalben auf der ganzen Welt. In England, Holland, Japan, der Schweiz &#8211; \u00fcberall prahlten die Frechdachse mit &#8222;seinem&#8220; Bild!<\/p>\r\n<p>Ein Effekt, welchen Bertrand noch verst\u00e4rken konnte.<\/p>\r\n<p>Stellte er n\u00e4mlich das Damenfahrrad seiner verstorbenen Frau keck hinter seine Bank, wurde das Sujet f\u00fcr die Paparazzis offenbar noch interessanter. Die optimalste Anziehungskraft erzielte er, wenn es ihm gelang, zusammen mit seiner 92j\u00e4hrigen Nachbarin G\u00e9raldine auf der Bank zu verweilen. Wenn er dann noch, von G\u00e9raldine unbemerkt, behutsam einen Arm hinter sie auf die Banklehne legte, sodass es aussah, als w\u00fcrde er G\u00e9raldine im Arm halten, gab es kein Halten mehr. Teilweise balgten sich bis zu zehn Fotograf*innen gleichzeitig um die Pl\u00e4tze mit den besten Aufnahmewinkeln.<\/p>\r\n<p>Und als seine Lilou bald darauf begeistert eine Lehre als Informatikerin begann und mit einer von ihr programmierten Bilder-Software das Internet genau nach dem Sujet Alter-Mann-auf-Bank-vor-dem-Meer, kombiniert mit der Standortangabe Guilvinec, durchsuchen konnte, begann sich die Geschichte endlich auszuzahlen. In zu Beginn h\u00f6flichem Mailton erinnerte Lilou die Influencer*innen an das in Frankreich gesch\u00fctzte Recht am eigenen Bild &#8211; obwohl sie weder eine Ahnung hatte, ob dem wirklich so sei, noch Lust darauf, dies seri\u00f6s zu recherchieren.<\/p>\r\n<p>Doch wahrhaftig! Nicht wenige der angesprochenen Personen zeigten sich willig, per Paypal, Twint oder Western-Union teilweise gewichtige Summen zu \u00fcberweisen. Gelder, welche Lilou nat\u00fcrlich sch\u00f6n h\u00e4lftig mit ihrem P\u00e9p\u00e8re aufteilte. Einzig die arme G\u00e9raldine sah kein Zehncentst\u00fcck davon.<\/p>\r\n<p>Was dieser jedoch nicht das Geringste ausmachte, sass sie doch \u00e4usserst gerne neben Bertrand auf der Bank. Vor allem dann, wenn er zaghaft seinen Arm hinter ihren R\u00fccken legte und dabei tats\u00e4chlich das Gef\u00fchl hatte, sie w\u00fcrde dies nicht mitbekommen.<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<p><em>Logor\u00f6 auf Instagram folgen?<br \/>Klicke auf folgenden Schnappschuss:<\/em><\/p>\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/star_o_mat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9462\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Der-alte-Mann-und-das-Meer-1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"401\" \/><\/a><\/p>\r\n<p><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph \/-->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph \/-->\r\n\r\n<!-- wp:tadv\/classic-paragraph \/--><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit meiner Jugend tr\u00e4ume ich davon, ein Buch zu schreiben, doch in all den Jahren ist es mir noch kein einziges Mal gelungen, mit einem fertigen Exemplar in den H\u00e4nden aufzuwachen. 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