{"id":9371,"date":"2022-01-18T23:32:11","date_gmt":"2022-01-18T22:32:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=9371"},"modified":"2022-01-19T18:24:49","modified_gmt":"2022-01-19T17:24:49","slug":"eine-luftige-busfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=9371","title":{"rendered":"Eine luftige Busfahrt"},"content":{"rendered":"\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=9371\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2668\" title=\"Geschichtenkiste\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Geschichtenkiste.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die heutige Erz\u00e4hlung kommt einer Reise in die Vergangenheit gleich. Sie stammt aus dem Jahre 1989, der Autor wohnte damals im Furttal und mangels Vorhandensein einer S-Bahn-Linie musste man noch den Bus nehmen, um nach Z\u00fcrich zu gelangen.<\/p>\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n<p>Bevor wir jedoch loslegen, noch eine unterw\u00fcrfige Entschuldigung bei der Frau meiner Wahl. Wurde mir von dieser doch strengstens untersagt, jemals in einem Text in irgendeiner Form Tr\u00e4ume zu schildern. Dies sei todlangweilig und das gelte f\u00fcr alles &#8211; Kurzgeschichten, Kolumnen, Buchprojekte. Alles! Ja, es ist mir an sich sogar untersagt, in der Nacht selbst zu tr\u00e4umen.<\/p>\r\n<p>Ich weiss nicht, ob das z\u00e4hlt, Frau Staromat, aber diese Geschichte habe ich 4 Jahre <em>bevor<\/em> ich Sie kennenlernte geschrieben! In einer Zeit, in der Tr\u00e4ume noch Sch\u00e4ume sein durften.<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align: center;\">Eine luftige Busfahrt<\/h2>\r\n<p>Kurz vor 8 Uhr sah ich den Bus endlich hinter den Wohnbl\u00f6cken hervorkommen. Ich benutzte den mittleren Einstieg und setzte mich auf einen Einzelplatz. Ausser mir wollten noch f\u00fcnf weitere Fahrg\u00e4ste nach Z\u00fcrich. Gleich hinter dem Chauffeur sass ein \u00e4lterer Gesch\u00e4ftsmann. Er trug einen stattlichen Anzug und zwischen seinen Beinen bewachte er einen schwarzen Aktenkoffer. Die hinterste Sitzreihe hatten zwei Schuljungen in Besitz genommen. Ebenfalls im hinteren Teil des Fahrzeuges sassen sich ein junger Italiener und eine vielleicht 25j\u00e4hrige Frau gegen\u00fcber. Da sie sich nicht kannten, beobachteten beide angestrengt das Geschehen auf der Strasse.<\/p>\r\n<p>Mit einem pfeifenden Ger\u00e4usch schlossen sich die T\u00fcren und der Bus fuhr los. Einzig der dr\u00f6hnende Motor und das Herumalbern der Knaben st\u00f6rte die Morgenruhe. Bei der n\u00e4chsten Haltestelle wartete eine alte Frau auf den Bus. In ihren Armen hielt sie einen kleinen Pudel, welchen sie auf den Boden stellen musste, als sie ihr Billett l\u00f6ste. Der Fahrer erkl\u00e4rte ihr, dass sie f\u00fcr den Hund extra bezahlen m\u00fcsse. Dabei bemerkte ich den stark amerikanischen Akzent des Chauffeurs. Er musste neu auf dieser Linie sein. Sonst sass meist ein freundlicher Spanier hinter dem Lenkrad. Nun gut, die Seniorin bezahlte f\u00fcr ihren Hund extra, setzte sich ans rechte Fenster und den Hund auf ihren Schoss. W\u00e4hrenddessen hatte die Dame vis-\u00e0-vis des Italieners zu stricken begonnen, obwohl dies in Bussen eigentlich verboten ist. Der Italiener schien dies nicht zu wissen oder nicht zu st\u00f6ren, auf alle F\u00e4lle schaute er ihr neugierig zu. Nun hatten wir eine l\u00e4ngere Wegstrecke ohne Haltestelle vor uns und bereits nach kurzer Zeit wunderte ich mich \u00fcber den rassigen Fahrstil des neuen Chauffeurs. Als er dann allerdings mit hoher Geschwindigkeit ein Rotlicht \u00fcbersah und nur mit viel Gl\u00fcck eine Kollision mit einem blauen Toyota verhindern konnte, wurde es mir zu bunt. Ich dr\u00fcckte auf den Knopf neben der T\u00fcre. Doch statt wie gewohnt der Schriftzug &#8222;Bus h\u00e4lt&#8220;, begann der Befehl &#8222;Stop smoking&#8220; in aggressivem Rot aufzuleuchten. Der Fahrer erh\u00f6hte die Geschwindigkeit noch mehr. An der n\u00e4chsten Station warteten einige Leute auf den Bus, wir rasten jedoch in unglaublichem Tempo an ihnen vorbei.<\/p>\r\n<p>Nun f\u00fchrte die Strecke abw\u00e4rts. Der Mann mit dem Aktenkoffer schlug diesen heftig gegen die Scheibe hinter dem Chauffeur und fragte ihn, ob er denn verr\u00fcckt geworden sei. Eine Antwort erhielt er nicht, der Amerikaner zeigte bloss gelassen auf die Tafel mit der Aufschrift &#8222;Bitte nicht mit dem Chauffeur sprechen&#8220;. Der Bus schwankte und r\u00fcttelte bereits sehr stark. Mittels waghalsiger Man\u00f6ver \u00fcberholten wir einige Personenwagen. So weit man sehen konnte, wies die Strecke vor uns nun keine Kurven mehr auf und der Bus beschleunigte weiter.<\/p>\r\n<p>\u00dcber sein Mikrophon teilte uns der Fahrer mit, dass wir uns doch bitte anschnallen sollten, was ich zuerst f\u00fcr einen schlechten Scherz hielt, doch dann bemerkte ich, dass bei allen Sitzen tats\u00e4chlich Gurte angebracht waren. Diese hatte ich nie zuvor gesehen. Die ganze Sache begann erst recht unheimlich zu werden.<\/p>\r\n<p>Die strickende Dame hatte das Stricken eingestellt, da sie sich mit einer Hand an einer Stange festhalten musste. Die alte Frau beklagte sich \u00fcber den fehlenden Gurt f\u00fcr ihren Pudel. Nach mehreren misslungenen Versuchen gelang es ihr, diesen in ihre Einkaufstasche zu stecken. Dem Gesch\u00e4ftsmann schien \u00fcbel geworden zu sein und der Italiener war dazu \u00fcbergegangen, mehrere Ave Marias hintereinander hervorzupressen. Einzig die Knaben hinten im Bus schienen ihre Freude an der wahnsinnigen Fahrt zu haben. &#8222;Cool!&#8220;, &#8222;Krass!&#8220; und &#8222;Meine Fresse!&#8220; lauteten ihre Kommentare.<\/p>\r\n<p>Mit einem Mal h\u00f6rte der Bus auf zu schaukeln. Auch das Gef\u00fchl der rasenden Geschwindigkeit war wie weggeblasen. Ein kurzer Blick aus dem Fenster best\u00e4tigte meine Bef\u00fcrchtung.<\/p>\r\n<p>Wir flogen.<\/p>\r\n<p>Aktentaschen-Mann begann leise zu wimmern. Er habe seine Reise-Drops nicht eingenommen und ohne diese w\u00fcrde es ihm immer schlecht beim Fliegen. Zudem fehlten die Plastikt\u00fcten hinter den Lehnen und \u00fcberhaupt, warum fliege dieser Bus denn eigentlich? Die alte Frau stellte ihre Einkaufstasche auf den Boden, da es aus dieser tropfte. Einer der Schuljungen wiederholte dauernd, dass ihm dies sicher niemand glauben werde, da man ihm ohnehin nie etwas glaube. Der andere Knabe sah aus dem Fenster und betrachtete staunend den Wald, den wir gerade \u00fcberflogen.<\/p>\r\n<p>Pl\u00f6tzlich stachen wir in die Tiefe. Der Bus musste in eine Luftloch geraten sein. &#8222;Mamma mia!&#8220;, schrie der Italiener, schlug mit den Armen wild um sich und warf dabei die Tasche der nicht mehr strickenden Frau um. Wie zu erwarten war, verstreuten sich sofort Wollkn\u00e4uel in allen Farben \u00fcber den Boden.<\/p>\r\n<p>Der amerikanische Busfahrer, welcher nun zum Buspiloten geworden war, gewann unser Vertrauen zur\u00fcck, indem er sein Gef\u00e4hrt bzw. sein Gefliegt mit einer lang ausgezogenen Schleife wieder in die H\u00f6he brachte.<\/p>\r\n<p>&#8222;I&#8217;m very sorry&#8220;, entschuldigte er sich und erlaubte uns, die Sicherheitsgurte zu \u00f6ffnen. Sein Name sei Mike, stellte er sich vor, stellte den Bus auf Autopiloten und erl\u00e4uterte uns in einem kurzen Vortrag allerlei Wissenswertes \u00fcber das vollkommen neuartige Flugsystems des Busses. Ob wir noch Fragen hierzu h\u00e4tten.<\/p>\r\n<p>Sofort gab der Gesch\u00e4ftsmann zu bedenken, dass er aufgrund seiner vielen Flugmeilen mit Sicherheit kein Ticket h\u00e4tte l\u00f6sen. Die alte Frau beklagte sich \u00fcber das Fehlen eines Hunde-Klos f\u00fcr lange Flugstrecken. Einer der Knaben bat den Amerikaner, ihm alles schriftlich zu best\u00e4tigen. Der Italiener begab sich nach vorne und sammelte entschuldigend die herumrollenden Wollkn\u00e4uel ein. Dies schien sein Vis-\u00e0-vis wieder in Schwung zu bringen, wollte die Dame doch sofort vom Chauffeur wissen, ob das Stricken denn auch w\u00e4hrend des Fliegens verboten sei.<\/p>\r\n<p>Auch ich war nicht ganz sorglos und \u00e4usserte meine Bedenken, wann und wo wir denn wieder landen w\u00fcrden. Diese Frage besass ihre Berechtigung, da kurz zuvor der Z\u00fcrichsee hinter uns am Horizont verschwunden war.<\/p>\r\n<p>Wohin wir denn wollten, fragte der Pilot zur\u00fcck. &#8222;London? Paris? New York? It&#8217;s your choice!&#8220;<\/p>\r\n<p>Nach dem Mehrheitsprinzip w\u00e4hlten wir Z\u00fcrich-Hauptbahnhof als Anflugort aus, obwohl die alte Frau und ihr Pudel ganz andere Pl\u00e4ne hatten. Leicht entt\u00e4uscht brachte Mike den Bus in Schr\u00e4glage, vollzog eine halbe Drehung und nahm wieder Kurs auf Z\u00fcrich. Ich bewunderte den nun ruhigen Flugstil und die herrliche Landschaft unter uns.<\/p>\r\n<p>Um diese Geschichte in die Realit\u00e4t zu retten, m\u00fcsste ich jetzt pl\u00f6tzlich schweissgebadet auf dem Sitz eines <em>fahrenden<\/em> Busses aufwachen und feststellen, dass sich alles nur in meiner Traumwelt abgespielt hatte.<\/p>\r\n<p>Wir landeten jedoch ohne Schwierigkeiten, bloss mit einer kleinen Versp\u00e4tung, gleich neben dem Hauptbahnhof Z\u00fcrich.<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>In der Geschichtenkiste sammelt Staromat alte und neue Erz\u00e4hlungen aus der eigenen Feder.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?cat=44\"><em>Hier geht&#8217;s hinein in die Geschichten-Schatztruhe!<\/em><\/a><\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>Hast du selbst eine <strong>Anregung<\/strong> f\u00fcr eine Geschichte? Eine Ausgangslage, ein Bild, ein Traum, ein Erlebnis? Mail an logoroe [\u00e4t] gmx.ch und wer weiss, vielleicht findet schon bald &#8222;deine&#8220; Geschichte hier in die Kiste!<\/em><\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<p><em>Logor\u00f6 auf Instagram folgen?<br \/><\/em><em>Klicke auf folgenden Schnappschuss:<\/em><\/p>\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/star_o_mat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9383\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Busfahrt-150x150.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Busfahrt-150x150.png 150w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Busfahrt-300x300.png 300w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Busfahrt-1024x1024.png 1024w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Busfahrt-768x768.png 768w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Busfahrt-144x144.png 144w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Busfahrt.png 1202w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die heutige Erz\u00e4hlung kommt einer Reise in die Vergangenheit gleich. 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