{"id":9051,"date":"2022-01-08T19:17:00","date_gmt":"2022-01-08T18:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=9051"},"modified":"2022-01-09T15:20:56","modified_gmt":"2022-01-09T14:20:56","slug":"kneipen-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=9051","title":{"rendered":"Kneipen-Geschichte"},"content":{"rendered":"\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=9051\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2668\" title=\"Geschichtenkiste\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Geschichtenkiste.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Publizierung einer Erz\u00e4hlung aus meinen Jugendjahren kommt nicht ohne eine Prise Vergangenheitsbew\u00e4ltigung aus. Die &#8222;Kneipen-Geschichte&#8220; entstand NICHT unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Substanzen, jedoch unter demjenigen hirnschrumpfender Lekt\u00fcre.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das nachfolgende Ammenm\u00e4rchen wurde 1989 im Regensdorfer Jugendmagazin &#8222;Randstei&#8220; abgedruckt. Bevor ihr dieses nun drei Jahrzehnte sp\u00e4ter Reich-Ranicki-m\u00e4ssig zerfetzt, bedenkt bitte, dass der damals 17j\u00e4hrige Autor sich literarisch ausschliesslich von Stephen-King-Romanen, John-Sinclair-Schundheftchen und Gruselgeschichten-Comics ern\u00e4hrte.<\/p>\r\n<p>Das erkl\u00e4rt noch nicht alles, aber doch so einiges.<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kneipen-Geschichte<\/h2>\r\n<p>He, du da. Ja du. Sag mal, so ganz unter uns, wirfst du abends, bevor du schlafen gehst, auch immer einen kurzen Blick unter dein Bett? Na komm schon, du musst dich deswegen doch nicht sch\u00e4men. Und? Machst du&#8217;s? Na eben, habe ich mir&#8217;s doch gedacht. Du musst wirklich nicht rot werden, ich habe das fr\u00fcher doch auch immer getan. Bis zu jener Nacht vor drei Jahren.<\/p>\r\n<p>Was damals geschehen ist? Das ist eine lange Geschichte. Du willst sie h\u00f6ren? Also gut, aber weisst du, meine Kehle f\u00fchlt sich etwas trocken an. Ein Bier w\u00fcrde mir sicherlich gut tun. Du spendierst mir eins? Na dann lehn dich zur\u00fcck und erfahre, weshalb ich aufgeh\u00f6rt habe, unter mein Bett zu blicken.<\/p>\r\n<p>Das Ganze begann an einem sch\u00f6nen Juni-Abend. Ich war noch in einem Lokal gewesen und hatte das eine oder andere Bier gekippt. Auf dem Heimweg rempelte mich ein alter Mann an. Ich fluchte erstmal z\u00fcnftig und forderte ihn auf, sich gef\u00e4lligst bei mir zu entschuldigen. Er aber meinte nur, es w\u00e4re zu meinem Vorteil, wenn ich an diesem Abend nicht unter mein Bett schauen w\u00fcrde. Ich hatte keinen blassen Schimmer, woher der Alte Kenntnis meiner Macke hatte und war deshalb wohl etwas \u00fcberrascht. Jedenfalls nutzte der R\u00fcppel meine kleine Unaufmerksamkeit aus und verschwand in einer dunklen Nebengasse.<\/p>\r\n<p>Ich hatte keine Lust, ihn zu verfolgen, schlenderte nach Hause und dachte erst wieder an den Typen, als ich sp\u00e4ter schon beinahe eingeschlafen war. Was hatte er gesagt? Ich bemerkte, dass ich an jenem Abend mein h\u00f6chstpers\u00f6nliches Ritual noch gar nicht ausgef\u00fchrt hatte. Ich lehnte mich also etwas vor, st\u00fctzte meine H\u00e4nde auf den Bettrahmen, blickte unters Bett und&#8230;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-9059\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Kneipe.png\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"756\" \/><\/p>\r\n<p>Zwei klauenbewaffnete Pfoten griffen nach mir. Es roch wie in einem schlecht gef\u00fchrten Affenk\u00e4fig. Die beiden schrecklichen Pranken geh\u00f6rten zu einem nicht minder furchtbaren Ungeheuer, welches unter meinem Bett lag und gedachte, mich ebenfalls dorthin zu zerren. Was ihm auch gelang. Ich flog in eine tiefe Grube, welche mir unter meinem Bett nie zuvor aufgefallen war. Dort k\u00e4mpfte ich mit dem Biest um mein Leben. Ich war einiges schw\u00e4cher als mein Gegner und sp\u00fcrte seine Krallen bereits an meinem Hals, als ein Wunder geschah.<\/p>\r\n<p>Das Monster musste niesen.<\/p>\r\n<p>Ich nutzte die Gelegenheit, schwang mich aus der Grube und erwartete, meinen Kopf am Bettgestell wundzuschlagen. Mein Bett aber war weg. Ich stand alleine auf einem ebenen Gel\u00e4nde. Es war Nacht, Mondschein erhellte die Szenerie. Dann merkte ich, dass ich doch nicht so einsam war. Weit entfernt, am \u00f6stlichen Horizont, sah ich eine Bewegung. Besser gesagt waren es Tausende von Bewegungen, welche allesamt auf mich zu kamen. Ich floh nach Westen, sprang \u00fcber grosse Ritzen im Boden und blickte erst nach etwas mehr als hundert Metern \u00fcber meine linke Schulter zur\u00fcck.<\/p>\r\n<p>Den Horizont sah ich nicht mehr. Abertausende von riesigen Hunden, ach, was sage ich, Pferden verdeckten meine Sicht. Sie verfolgten mich mit horrender Geschwindigkeit. Ich versuchte, mein Tempo zu steigern, doch die Horde aus elefantengrossen Tiergestalten war viel schneller. Bereits sp\u00fcrte ich ihren stinkenden Atem im Nacken, als ich in einen tiefen Spalt im Boden fiel. Mehr als zehntausend Wesen, gr\u00f6sser als Dinosaurier, sprangen \u00fcber mich hinweg.<\/p>\r\n<p>Ich war gerade noch einmal davongekommen. Doch wo war ich? Ich sah mich um und erstarrte sofort in Eisesk\u00e4lte. Ich lag in einem gigantischen Haufen voller ekligen Spinnen und K\u00e4fern. Diese starrten mich alle an, verharrten aber vollkommen regungslos.<\/p>\r\n<p>Es schien, als w\u00fcrden sie auf ein Signal warten, um mich anzugreifen.<\/p>\r\n<p>Pl\u00f6tzlich wurde die eingetretene Stille von einem schrillen Pfiff unterbrochen. Und dann reckten und streckten sie sich! Diesen Anblick werde ich nie mehr vergessen. Alles kroch ungeheuer schnell auf mich zu, die Viecher sprangen auf meinen K\u00f6rper und suchten wild umher krabbelnd dessen \u00d6ffnungen.<\/p>\r\n<p>Links von mir entdeckte ich den Eingang zu einer H\u00f6hle, in welche ich mich mit einem waghalsigen Sprung rettete. Ein heller Schein reflektierte sich an den W\u00e4nden. Die Lichtquelle musste im Innern der H\u00f6hle sein. Ich folgte dem Glitzern. Die W\u00e4nde waren unglaublich glitschig. Ungef\u00e4hr nach drei St\u00fcrzen ging der Gang um eine Ecke und mit einem Mal wurde es so hell, dass ich die H\u00e4nde vor meine Augen halten musste.<\/p>\r\n<p>Als ich mich an das starke Licht gew\u00f6hnt hatte, vergass ich beinahe zu atmen.<\/p>\r\n<p>Millionen, nein, Milliarden funkelnder Edelsteine in unz\u00e4hligen Farben lagen vor mir. Diamanten, Rubine, Smaragde. Es war herrlich! Ich warf mich auf den Haufen und wollte darin herumw\u00fchlen. Doch, kaum hatte ich die oberste Schicht der wundersch\u00f6nen Steine durchdrungen, bemerkte ich, was sich darunter befand.<\/p>\r\n<p>Ich sank ein in eine Masse armgrosser W\u00fcrmer und Maden.<\/p>\r\n<p>Ich stiess mich von dem Haufen weg und sch\u00fcttelte angeekelt die schleimigen Viecher vom Leib. Erst Spinnen und K\u00e4fer, dann W\u00fcrmer und Maden! Was f\u00fcr abscheuliche Missgeburten wohl noch auf mich warten w\u00fcrden?<\/p>\r\n<p>Ich fl\u00fcchtet durch einen Gang, welchen ich just in jenem Augenblick erblickte. Mein Entkommen wurde jedoch j\u00e4h gebremst, als ich in vollem Lauf gegen eine Wand rannte, sodass mein K\u00f6rper noch Tage danach schmerzen sollte.<\/p>\r\n<p>Die H\u00f6hle war eine Sackgasse. Ersch\u00f6pft lehnte ich mich gegen die Wand und diese schwang auf wie eine T\u00fcre. Was auch richtig so war, denn auf den zweiten Blick erkannte ich, dass die Felswand in Wahrheit eine T\u00fcre war und zwar diejenige, welche zu meinem Schlafzimmerschrank geh\u00f6rte.<\/p>\r\n<p>Ich befand mich wieder in meinem Zimmer.<\/p>\r\n<p>M\u00fcde warf ich mich aufs Bett und schlief ein, ohne vorher auch nur einen einzigen Blick darunter zu werfen. Das werde ich auch NIE wieder tun.<\/p>\r\n<p>Aber hey, was ist denn los? Warum l\u00e4ufst du weg? Was sagst du? Ich sei ein L\u00fcgner? Ich h\u00e4tte das alles nur in meinem Suff getr\u00e4umt oder erfunden? Aber nein, so warte doch!<\/p>\r\n<p>Weg ist er. Einfach fort. Genau wie alle anderen. Kein Schwein glaubt meine Geschichte! Es ist mir aber auch egal, ob man dies tut oder nicht. Ich f\u00fcr meinen Teil habe den Beweis f\u00fcr die Wahrheit meines Abenteuers.<\/p>\r\n<p>Ich fand ihn am Morgen danach. Er hatte sich in meinem linken Bettsocken verfangen. Der Mann im Juweliergesch\u00e4ft an der unteren Strassenecke meinte, er sei sehr wertvoll.<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><em>Copyright der unheimlichen Illustration 1989 by Deif.<\/em><\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><em>In der Geschichtenkiste sammelt Staromat alte und neue Erz\u00e4hlungen aus der eigenen Feder.<\/em><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?cat=44\"><em>Hier geht&#8217;s hinein in die Geschichten-Schatztruhe!<\/em><\/a><\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><em>Hast du selbst eine <strong>Anregung<\/strong> f\u00fcr eine Geschichte? Eine Ausgangslage, ein Bild, ein Traum, ein Erlebnis? Mail an logoroe [\u00e4t] gmx.ch und wer weiss, vielleicht findet schon bald &#8222;deine&#8220; Geschichte hier in die Kiste!<\/em><\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<p><em>Logor\u00f6 auf Instagram folgen?<br \/>Klicke auf folgenden Schnappschuss:<\/em><\/p>\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/star_o_mat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9191\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Kneipe-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Kneipe-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Kneipe-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Kneipe-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Kneipe-144x144.jpg 144w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Kneipe.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Publizierung einer Erz\u00e4hlung aus meinen Jugendjahren kommt nicht ohne eine Prise Vergangenheitsbew\u00e4ltigung aus. 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