{"id":6970,"date":"2020-04-08T00:28:00","date_gmt":"2020-04-07T22:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=6970"},"modified":"2021-12-22T15:54:44","modified_gmt":"2021-12-22T14:54:44","slug":"der-montaghasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=6970","title":{"rendered":"Der Montaghasser"},"content":{"rendered":"\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=6970\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2668 size-thumbnail\" title=\"Geschichtenkiste\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Geschichtenkiste.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" \/><\/a>Und weiter geht es mit dem Abtauchen in l\u00e4ngst vergangene Zeiten und Geschichten! Die &#8222;heutige&#8220; Erz\u00e4hlung handelt von einem leicht m\u00fcrrischen Herren, welcher sich ziemlich offensichtlich von einer Cartoon-Katze aus den 80er Jahren hat inspirieren lassen.<\/p>\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n<p>Gehen wir gemeinsam zur\u00fcck ins Jahr 1990. Nur 12 Monate nachdem mit meiner arg humorlosen Erz\u00e4hlung <a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=6859\">&#8222;Hintergrundbericht eines tragischen Unfalls&#8220;<\/a> zum ersten Mal ein eigener Text in einer gr\u00f6sseren Zeitung ver\u00f6ffentlicht wurde, stand bereits die n\u00e4chste Austragung des\u00a0Kurzgeschichten-Wettbewerbs des &#8222;Z\u00fcrcher Unterl\u00e4nders&#8220; an.<\/p>\r\n<p>Der mittlerweile 18 Jahre alt gewordene Staromat packte die Chance beim Schopf und verfasste mit &#8222;Der Montaghasser&#8220; ein zwar etwas geradliniges, aber doch um einiges unterhaltsameres Werk, welches erstmals auch deutlich autobiographische Z\u00fcge erkennen liess.<\/p>\r\n<p>Und siehe da! Die Geschichte wurde nicht nur ver\u00f6ffentlicht, sie wurde gar mit dem dritten Rang ausgezeichnet und im vollbesetzten B\u00fclacher Sigristenkeller von einem professionellen Schauspieler vorgetragen! Im entsprechenden Zeitungsbericht dieser Veranstaltung gl\u00e4nzt auf dem Foto der &#8222;Sieger-Autoren&#8220; jedoch meine Person durch vollkommene Abwesenheit (Auszug aus der Bildlegende: &#8222;Staromat als dritter Preistr\u00e4ger konnte an der Preisverleihung nicht teilnehmen&#8220;). Tja, der Herr Staromat stufte damals sein gleichzeitig stattfindendes 5.-Liga-Volleyballspiel gegen Birmensdorf als wichtiger ein.<\/p>\r\n<p>Was soll ich sagen? Mit erst 18 Jahren auf dem Buckel hat man offensichtlich das Gef\u00fchl, dass solche Gelegenheiten im weiteren Leben noch haufenweise auf einen warten w\u00fcrden.<\/p>\r\n<p>Drei Jahrzehnte sp\u00e4ter gelange ich zu der Einsicht, dass dies wohl eine katastrophale Fehleinsch\u00e4tzung war.<\/p>\r\n<p>Am\u00fcsant in diesem Zusammenhang ist noch, dass es trotz meiner Abwesenheit bei der Preisverleihung ein Foto von mir vom exakt gleichen Abend in eine andere Zeitung geschafft hat. Im Regensdorfer &#8222;Furttaler&#8220; wurde unser Volleyball-Matchbericht mit folgendem Bild versehen:<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-6981\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_1022-289x300.jpeg\" alt=\"Starosmash\" width=\"420\" height=\"437\" srcset=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_1022-289x300.jpeg 289w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_1022-985x1024.jpeg 985w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_1022-768x799.jpeg 768w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_1022-1477x1536.jpeg 1477w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_1022.jpeg 1886w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/>\u00a0<\/p>\r\n<p>Die Nummer 7 &#8211; das bin (war) ich! Wir gewannen ausw\u00e4rts mit 3:0! Smash Bumm Peng! Weg waren die Birmensdorfer!<\/p>\r\n<p>Jetzt aber zur\u00fcck zur Geschichte. Bevor der Montaghasser nun 30 Jahre sp\u00e4ter endlich auf euch losgelassen wird, noch kurz vorab das zur Geschichte ver\u00f6ffentlichtes Kurz-Portrait von damals:<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-6972\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_1020-150x150.jpeg\" alt=\"Klein Staromat 2\" width=\"150\" height=\"246\" srcset=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_1020-183x300.jpeg 183w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_1020-624x1024.jpeg 624w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_1020.jpeg 670w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\r\n<p>Der Autor ist 18j\u00e4hrig, wohnt in Boppelsen und absolviert eine Schriftsetzerlehre. In der Freizeit liest er gern, spielt beim Volleyballclub Regensdorf und, wenn ihm ein wenig Zeit bleibt, &#8222;formt er seine im Kopf herumschwirrenden Gedanken zu Geschichten. Die Idee zu &#8222;Der Montaghasser&#8220; fiel ihm eines Montagmorgens ein. Der Weg zur letzten Version sei allerdings ungew\u00f6hnlich &#8222;lang und holperig&#8220; gewesen.<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<h2 style=\"text-align: center;\">Der Montaghasser<\/h2>\r\n<p>Felix Kunze hasste vieles. Er hasste Pferde und Rollschuhfahrer, er hasste Jugendliche und Radiomoderatoren, er hasste Feministinnen und Politiker und er hasste die Arbeit in seinem Gesch\u00e4ft, welches er ebenfalls hasste.<\/p>\r\n<p>Aber ganz besonders unausstehlich fand Felix Kunze Montage.<\/p>\r\n<p>Montage waren vollkommen \u00fcberfl\u00fcssige Tage. Sie waren da, um sich mit dem Brotmesser zu verletzen oder um eine heisse Dusche von der Geschirrsp\u00fclmaschine zu empfangen. Montage existierten, um wichtige Geburtstage zu vergessen oder um die Abfahrt \u00f6ffentlicher Verkehrsmittel \u00e4usserst knapp zu verpassen. Vor allem jedoch waren Montage Inbegriff der Tatsache, dass nach einem viel zu kurzen Wochenende die Arbeit wieder aufgenommen werden musste.<\/p>\r\n<p>Ja, Montage konnten wahrhaft grausam sein.<\/p>\r\n<p>Wie ihr seht, war Felix Kunze, welcher von allen nur Kunze genannt wurde, ein Mensch wie du und ich. Als die Geschichte begann, war er Mitte vierzig, verdiente sein Geld in einem Treuhandb\u00fcro und wohnte in einem vornehmen Quartier von Z\u00fcrich. Er arbeitete &#8211; wie bereits bekannt &#8211; nicht allzu gerne, liebte Sportsendungen und w\u00e4re wahrscheinlich niemals ins Interesse der \u00d6ffentlichkeit geraten, h\u00e4tte er sich nicht dermassen fest gegen die Montage verschworen.<\/p>\r\n<p>An einem Sonntag Abend vor etwas mehr als zehn Jahren sass Kunze wieder einmal alleine vor dem Bildschirm. Draussen regnete es, was ihn nicht besonders erheiterte. Seine Lieblingssendung &#8222;Sport am Wochenende&#8220; war eben zu Ende gegangen und der Montag lag n\u00e4her denn je. Sein Bier austrinkend, machte er sich auf den Weg zu seiner Schlafst\u00e4tte, einem franz\u00f6sischen Bett. Kunze hatte sich angew\u00f6hnt, Sonntags fr\u00fch schlafen zu gehen, denn nur so konnte er noch lange im Bett liegen, ohne dass gleich sein Wecker losschrillte und ihn zu einem weiteren schweren Montag verdammte.<\/p>\r\n<p>Meistens schlief Kunze dann aber trotz seiner Verstimmung tief und gut. Nicht jedoch in jener folgenschweren Nacht. Kunze w\u00e4lzte sich in st\u00e4ndiger Ruhelosigkeit hin und her. Pl\u00f6tzlich war er nicht mehr imstande, etwas zu sehen oder sich zu bewegen. Alles vor seinen Augen war schwarz.<\/p>\r\n<p>Nat\u00fcrlich war alles schwarz, werdet ihr jetzt denken, denn meistens wird ein Zimmer mitten in der Nacht nicht gerade mit Neonlampen ausgeleuchtet. Ich muss euch da aber erz\u00e4hlen, dass Kunze als kleines Kind eine tiefe Angst vor der Dunkelheit entwickelt hatte und dass ein kleiner Teil davon ihn auch als erwachsenen Mann noch dazu bewegte, die Tischlampe w\u00e4hrend der Nacht brennen zu lassen. So war das Zimmer also auch in jener Nacht leicht erhellt. Kunzes Sehverm\u00f6gen blieb jedoch trotzdem weg.<\/p>\r\n<p>Kunze wollte aufstehen, aber sein K\u00f6rper hatte ihm jegliche Befehlsmacht entzogen. Er war nicht f\u00e4hig, sich von der Stelle zu r\u00fchren. Dieser trance\u00e4hnliche Zustand dauerte, so schien ihm, unendlich lange an. Mit der Zeit vermutete Kunze, dass er eben dennoch eingeschlafen sein musste und dass es sich hierbei um den wohl abscheulichsten wie auch realistischsten Alptraum handeln musste, den er jemals gehabt hatte.<\/p>\r\n<p>Nun denn, als Kunze schliesslich &#8222;aufwachte&#8220;, war es bereits 9 Uhr. Er h\u00e4tte vor \u00fcber einer Stunde im B\u00fcro sein m\u00fcssen. Sein neuer Wecker hatte erstmals versagt.<\/p>\r\n<p>&#8222;Typisch Montag&#8220;, \u00e4rgerte sich Kunze. Jetzt musste er wieder ein stundenlanges Kreuzverh\u00f6r seines Chefs \u00fcber sich ergehen lassen.<\/p>\r\n<p>Eine halbe Stunde sp\u00e4ter \u00fcberschritt er schon ziemlich ersch\u00f6pft durch die morgendliche Hetzerei die T\u00fcrschwelle des Treuhandb\u00fcros &#8222;Ehrlich &amp; Co.&#8220;.<\/p>\r\n<p>&#8222;Wo haben Sie denn bloss so lange gesteckt?&#8220;, wurde Kunze auch gleich von seinem Arbeitgeber m\u00fcrrisch empfangen.<\/p>\r\n<p>&#8222;Warum diese Aggressivit\u00e4t?&#8220;, erwiderte der Angeklagte. &#8222;Ich gebe zu, ich habe etwas verschlafen, aber so arg zu sp\u00e4t bin ich nun auch wieder nicht dran.&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;KUNZE!&#8220;, schrie sein Chef jetzt wie von Sinnen. &#8222;Dass Sie heute verschlafen haben, k\u00f6nnte ich akzeptieren, aber&#8220;, und die Wut seines Vorgesetzten steigerte sich h\u00f6rbar, &#8222;wo zur H\u00f6lle waren Sie gestern?&#8220;<\/p>\r\n<p>Mit einem Schlag war Kunzes Ersch\u00f6pfung einer kompletten Verwirrung gewichen. Weshalb h\u00e4tte er am gestrigen Sonntag arbeiten sollen? Hatte er eine diesbez\u00fcgliche Anweisung verpasst?<\/p>\r\n<p>Kunzes pl\u00f6tzliche Unsicherheit blieb auch seinem Chef nicht verborgen.<\/p>\r\n<p>&#8222;Meine G\u00fcte, Kunze! Heute ist Dienstag, verdammt nochmal! Wo haben Sie gestern gesteckt? Wir konnten Sie nirgends erreichen!&#8220;<\/p>\r\n<p>Und tats\u00e4chlich! Es war bereits Dienstag. Kunze hatte den ganzen Montag verpasst.\u00a0Er musste seit Sonntag Abend ungef\u00e4hr 36 Stunden am St\u00fcck durchgeschlafen haben! Kunze konnte sich das alles \u00fcberhaupt nicht erkl\u00e4ren.\u00a0<\/p>\r\n<p>Es musste eine Krankheit sein! Kunze wurde im Universit\u00e4tsspital Z\u00fcrich untersucht. Geschlagene drei Stunden liess er alles M\u00f6gliche \u00fcber sich ergehen. Neben einer Blutentnahme stand er f\u00fcr einen R\u00f6ntgenapparat Modell und machte es sich f\u00fcr ein EKG auf einem Arztbett bequem. Als kr\u00f6nender Abschluss stand ein halbst\u00fcndiges Gespr\u00e4ch mit einer \u00a0Psychiaterin auf dem Programm.<\/p>\r\n<p>Das Resultat war gleich Null. Kunzes Gesundheitszustand war ausgezeichnet, einzig die Psychiaterin hatte einige Bemerkungen zu seiner geistigen Verfassung, welche jedoch in keinem Zusammenhang mit seinem Schlafproblem standen. Kunze blieb im Ungewissen.<\/p>\r\n<p>Das unerkl\u00e4rliche Durchschlafen des Montags blieb jedoch ebenfalls.<\/p>\r\n<p>Von jenem Tag an geriet Kunze jeden Sonntag Abend in diesen Zustand der vollkommenen Lethargie und erwachte erst wieder am darauf folgenden Dienstag. Alle Versuche, etwas dagegen zu unternehmen, scheiterten kl\u00e4glich. Einmal gab er beispielsweise einer Nachbarin seinen Hausschl\u00fcssel. Sie solle ihn doch bitte am Montag Morgen wachr\u00fctteln. Doch selbst mit lauten Schreien und eher zaghaften Schl\u00e4gen in Kunzes Schultergegend vermochte diese ihn nicht aus seinem B\u00e4renschlaf wachtrommeln.<\/p>\r\n<p>Wie wir alle wissen, besitzt die Spezies Mensch die F\u00e4higkeit, sich an alles Erdenkliche zu gew\u00f6hnen. So erging es auch Kunze. Anfangs war er verst\u00e4ndlicherweise sehr schockiert \u00fcber diesen neuen, ungewohnten Ablauf seines Lebens. Nach etwa drei oder vier Monaten fand er jedoch nur noch diese komische n\u00e4chtliche Unbeweglichkeit l\u00e4stig. Nun wurde der Dienstag zu seinem ersten Arbeitstag in der Woche und &#8211; vielleicht ahnt ihr es schon &#8211; Kunze begann allm\u00e4hlich, statt des Montags nun den Dienstag zu verachten.<\/p>\r\n<p>Und so kam es, wie es kommen musste. Kunze erwachte eines Tages pl\u00f6tzlich an einem Mittwoch!<\/p>\r\n<p>Dies war nat\u00fcrlich erneut ein schwerer Schlag f\u00fcr ihn. Den Ernst der sich zuspitzenden Situation erkannte Kunze jedoch noch immer nicht.<\/p>\r\n<p>Wollen wir einmal, wie es eben nur in Geschichten m\u00f6glich ist, die Zeit wie im Fluge verstreichen lassen. Die Jahre kamen und gingen und Kunze war nicht imstande zu lernen, wie er das Schwinden der ungeliebten Tage bremsen konnte. Sicher, er zeigte ein wenig Einsicht. Als zum Beispiel der Donnerstag verloren ging und Kunze aus finanziellen Gr\u00fcnden neu auch Samstags und Sonntags zur Arbeit musste, nahm er sich fest vor, nun mit Sicherheit keine \u00e4rgerlichen Gef\u00fchle gegen\u00fcber dem Freitag zu entwickeln. Nur hielt dieser Vorsatz bloss solange, wie ungef\u00e4hr der unsere h\u00e4lt, wenn wir wieder einmal nach einer qualvoll langen Zeit vom Stuhl des Zahnarztes erl\u00f6st werden und hoch und heilig schw\u00f6ren, nun wirklich niemals, NIEMALS wieder auch nur eine Sekunde weniger als drei Minuten lang die Z\u00e4hne zu putzen.<\/p>\r\n<p>Erstaunlicherweise fehlte Kunzes K\u00f6rper \u00fcberhaupt nichts, obwohl er dann im Alter von 52 Jahren sechs Tage pro Woche schlief und in dieser Zeit keinerlei Nahrungsmittel zu sich nehmen konnte. Er verbrachte seinen Wochenschlaf in einer Privatklinik, wo er sich Sonntags jeweils als Putzhilfe bet\u00e4tigte.<\/p>\r\n<p>Kunze gefiel diese Arbeit \u00fcberhaupt nicht. Er hasste das ewige Scheuern der G\u00e4nge und Reinigen der Fenster. Dies am einzigen Tag der Woche, welcher ihm noch verblieben war!<\/p>\r\n<p>Und so musste eine Krankenschwester eines Sonntag Morgens feststellen, dass sich Patient Kunze auf Zimmer 37 um nichts auf der Welt mehr wecken liess. Im ersten Augenblick erschrak sie und dachte, Kunze sei \u00fcber Nacht gestorben. Sein regelm\u00e4ssiges Atmen, welches von gelegentlichen Schnarchger\u00e4uschen begleitet wurde, \u00fcberzeugte sie dann allerdings vom Gegenteil.<\/p>\r\n<p>Die herbeigerufenen Mediziner konnten nur das bereits Herausgefundene best\u00e4tigen. Kunze lebte zwar noch, er befand sich jedoch nun wie in einem ewig anhaltenden Koma. F\u00fcr die \u00c4rzte war dies kein grosses Problem. Der Ordnung halber untersuchten sie Kunze t\u00e4glich und erhielten immer ungef\u00e4hr die gleichen Werte.<\/p>\r\n<p>F\u00fcr Kunze sah die Sache schon wesentlich schlimmer aus. Er blieb nun st\u00e4ndig in dieser vollkommenen Dunkelheit und apathischen Tr\u00e4gheit gefangen. Kein Ger\u00e4usch, keinen Geruch und auch kein Bild konnten seine Sinne empfangen.<\/p>\r\n<p>Kunze war nun komplett in seiner verschlossenen Welt gefangen.<\/p>\r\n<p>Oh, und wie er es zu hassen begann! Dieses Im-Dunkeln-Sein! Diese Unbeweglichkeit! Und ganz besonders diese Einsamkeit!<\/p>\r\n<p>Ja, er verfluchte alles und jeden daf\u00fcr, dass er hier so hilflos von allem ausgeschlossen war. Es war ihm sowas von zuwider&#8230;<\/p>\r\n<p>Weder die zust\u00e4ndigen \u00c4rzte noch jemand vom Pflege- oder Reinigungspersonal beobachteten Kunzes definitiven &#8222;Abgang&#8220;. Sein Bett wurde eines Morgens leer vorgefunden. Man ging von einer Wunderheilung mit anschliessender, verwirrter Flucht aus dem Krankenhaus aus. Ganze zwei Monate lang wurde Kunze noch erfolglos von der Polizei gesucht, danach legte man seinen Fall ad acta.<\/p>\r\n<p>Einzig ein schwarzer Rabe, welcher im entscheidenden Moment durchs Krankenhausfenster auf Kunzes Bett blickte, h\u00e4tte das Geschehen beschreiben k\u00f6nnen. Von einer Sekunde auf die andere verschwand Kunze f\u00fcr immer. Seine Decke blieb noch einen kurzen Augenblick in der Form seines darunter liegenden K\u00f6rpers in der Luft schweben, danach sank sie fast ger\u00e4uschlos auf das Laken nieder.<\/p>\r\n<p>Doch der Rabe interessierte sich keineswegs f\u00fcr dieses Ereignis. Er begutachtete noch kurz das Blumenbeet vor Kunzes Fenster auf allf\u00e4llig zu verspeisende W\u00fcrmer und flog dann gem\u00e4chlich weiter in Richtung seines Lieblingsbaumes.<\/p>\r\n<p>Nun war Felix Kunze wirklich alleine.<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><em>In der Geschichtenkiste sammelt Staromat alte und neue Erz\u00e4hlungen aus der eigenen Feder.<\/em><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?cat=44\"><em>Hier geht&#8217;s hinein in die Geschichten-Schatztruhe!<\/em><\/a><\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><em>Hast du selbst eine <strong>Anregung<\/strong> f\u00fcr eine Geschichte? Eine Ausgangslage, ein Bild, ein Traum, ein Erlebnis? Mail an logoroe [\u00e4t] gmx.ch und wer weiss, vielleicht findet schon bald &#8222;deine&#8220; Geschichte hier in die Kiste!<\/em><\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und weiter geht es mit dem Abtauchen in l\u00e4ngst vergangene Zeiten und Geschichten! 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