{"id":6859,"date":"2020-03-24T18:16:45","date_gmt":"2020-03-24T17:16:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=6859"},"modified":"2021-12-22T15:54:05","modified_gmt":"2021-12-22T14:54:05","slug":"hintergrundbericht-eines-tragischen-unfalls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=6859","title":{"rendered":"Hintergrundbericht eines tragischen Unfalls"},"content":{"rendered":"\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=6859\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2668 size-thumbnail\" title=\"Geschichtenkiste\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Geschichtenkiste.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" \/><\/a>In Zeiten, in denen viel Zeit zur Verf\u00fcgung steht, ist es an der Zeit, fr\u00fchere Zeiten aufzuarbeiten. Ich f\u00fcr meinen Teil habe mich auf die Suche nach alten (und neuen) Geschichten von mir gemacht. Und bin sowas von f\u00fcndig geworden!\u00a0<\/p>\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n<p>Beginnen m\u00f6chte ich die neuste (und wohl ca. f\u00fcnfhundertste) Logor\u00f6-Serie &#8222;Geschichtenkiste&#8220; mit meiner allerersten &#8222;gr\u00f6sseren&#8220; Publikation. Man schrieb das Jahr 1989 und Klein Staromat machte sich mit seinen s\u00fcssen 17 Lenzen auf, den Literaturhorizont zu erreichen und selbstverst\u00e4ndlich auch ordentlich zu erweitern.<\/p>\r\n<p>Da kam der allj\u00e4hrliche Kurzgeschichten-Wettbewerb des &#8222;Z\u00fcrcher Unterl\u00e4nders&#8220; gerade recht. Eine aus heutiger Sicht vollkommen humorlose und absolut sinnfreie, aus damaliger Sicht pr\u00e4chtig d\u00fcstere Geschichte musste her und siehe da! Sie wurde angenommen und ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\r\n<p>Und jetzt &#8211; mit 30j\u00e4hriger Verz\u00f6gerung &#8211; kommt auch ihr endlich &#8222;in den Genuss&#8220; dieses Meisterwerkes. Doch vorab zuerst das damals zur Geschichte ver\u00f6ffentlichte Kurz-Portrait des &#8222;Autors&#8220;:<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-6870\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_1017-150x150.jpeg\" alt=\"Klein Staromat\" width=\"150\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_1017-223x300.jpeg 223w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_1017-759x1024.jpeg 759w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_1017-768x1035.jpeg 768w, https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_1017.jpeg 1005w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\r\n<p>Der Autor ist 17j\u00e4hrig, wohnt in Boppelsen und versucht, wie er selbst sagt, den Aufgaben eines Typographen-Lehrlings nachzukommen. Daneben spielt er gerne Volleyball, liest B\u00fccher oder geniesst ganz einfach die Freizeit. Die Kurzgeschichte entstand in einem Dorf im Aargau anl\u00e4sslich eines Ferienaufenthalts bei den Grosseltern und hat ihren Ursprung in einem Gespr\u00e4ch mit einem Schulfreund, der &#8211; wie der Autor auch &#8211; ein &#8222;krankhafter&#8220; Stephen-King-Leser ist.<\/p>\r\n<p>Jetzt aber anschnallen, das Rauchen einstellen und hinein in diese wuchtige Geschichte! Viel Vergn\u00fcgen!<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<blockquote>\r\n<p>Es gibt Leute, die Licht verbreiten. Und es gibt Leute, welche alles finster machen.<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<h2 style=\"text-align: center;\">Hintergrundbericht eines tragischen Unfalls<\/h2>\r\n<p>Das Paket war gegen Mittag gekommen. Es wurde von einem jungen Kurier gebracht. Miriam bedankte sich und \u00fcberreichte ihm zwei Mark Trinkgeld.<\/p>\r\n<p>Der Gestank der Kurier-Honda war bereits lange der frischen Luft des wehenden Herbstwindes gewichen, als Miriam sich endlich wieder ins Innere ihres Hauses zur\u00fcckzog. Sie stellte das kleine Paket auf den K\u00fcchentisch.<\/p>\r\n<p>Es sah alt aus.<\/p>\r\n<p>Miriam entfernte das Packpapier und hielt eine Schachtel in ihren H\u00e4nden. Jemand hatte in grossen gotischen Buchstaben einen Satz darauf geschrieben:<\/p>\r\n<blockquote>\r\n<p>&#8222;Ehrlichkeit ist nicht alles.&#8220;<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p>Draussen begann es zu regnen. Ihr fr\u00f6stelte.<\/p>\r\n<p>Miriam \u00f6ffnete die Schachtel. Eine Uhr lag darin. Eine sehr alte Uhr. In der Mitte des Zifferblattes stand in einer verschn\u00f6rkelten Schrift ein Name: &#8222;Marwan Rozinak&#8220;. Weiter befanden sich an den ihnen zugeordneten Stellen die r\u00f6mischen Ziffern III, VI, IX und XII auf der Uhr. Beide Zeiger waren exakt um zw\u00f6lf Uhr stehengeblieben.<\/p>\r\n<p>Miriams linkes Handgelenk begann pl\u00f6tzlich zu schmerzen. Sie drehte die Uhr mehrmals in ihren H\u00e4nden. Ihre linke Hand schien vor Schmerzen zu explodieren.<\/p>\r\n<p>Sie zog die Uhr an.<\/p>\r\n<p>Die Schmerzen verschwanden sofort.<\/p>\r\n<p>Draussen regnete es nun schon sehr stark. Die Haust\u00fcre \u00f6ffnete sich und ihr vom Regen durchn\u00e4sster f\u00fcnfj\u00e4hriger Sohn Tobi st\u00fcrzte herein. Schnell warf Miriam die Schachtel in den Abfalleimer. J\u00fcrg, ihr Ehemann, trat ebenfalls ein und schloss die T\u00fcr hinter sich. Verlegen zog Miriam den \u00c4rmel ihres Pullovers \u00fcber die Uhr.<\/p>\r\n<p>&#8222;Hi Schatz&#8220;, rief J\u00fcrg. &#8222;Hi&#8220;, antwortete Miriam pflichtbewusst, aber freundlich. Tobi kam in die K\u00fcche.<\/p>\r\n<p>&#8222;Na grosser Mann, was willst du denn hier in der K\u00fcche?&#8220;, fragte sie ihn. &#8222;Tobi will essen&#8220;, erkl\u00e4rte er. In der letzten Zeit sprach ihr Sohn immer \u00f6fter in der dritten Person von sich, was Miriam etwas verunsicherte. Sie gab ihm einen Schokoladenriegel und Tobi verschwand wieder. Die Sonne schickte bereits ihre letzten Strahlen durch das kleine K\u00fcchenfenster und&#8230;<\/p>\r\n<p>&#8222;H\u00e4nde hoch und keine falsche Bewegung!&#8220;<\/p>\r\n<p>Tobi hatte den Fernseher eingeschaltet. Irgendein Western mit John Wayne lief gerade. J\u00fcrg kam auf Miriam zu und gab ihr einen z\u00e4rtlichen Kuss auf die Wange.<\/p>\r\n<p>Der Wind heulte auf und ein Fensterladen im oberen Stock schlug gegen die Hausfassade. &#8222;Ich gehe ihn gleich schliessen&#8220;, versprach J\u00fcrg und entfernte sich nach oben. Im Wohnzimmer verteidigte John Wayne gerade eine Farmersiedlung gegen eine Horde angreifender Indianer.<\/p>\r\n<p>&#8222;Peng! Peng!&#8220;, rief Tobi aufgeregt.<\/p>\r\n<p>Das Telefon klingelte. Miriam lief ins Wohnzimmer und reduzierte unter heftigem Protest von Tobi mit der Fernbedienung John Waynes Lautst\u00e4rke auf ein Minimun.<\/p>\r\n<p>&#8222;Ja, hier ist Miriam Dutsche.&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;Guten Abend, Miriam, hier ist Roger.&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;Ah, hallo Roger, wie geht&#8217;s dir denn so?&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;Nun, es muss. Ich trage momentan eine leichte Grippe mit mir herum. Aber sag mal, hast du \u00fcbern\u00e4chstes Wochenende schon etwas vor?&#8220;<\/p>\r\n<p>Miriam \u00fcberlegte kurz. &#8222;Nein, ich glaube nicht. Warum denn?&#8220; &#8211; &#8222;Nun, Angela und ich, wir wollen eine kleine Party veranstalten. H\u00e4ttet ihr Lust zu kommen?&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;Aber sicher&#8220;, freute sich Miriam, &#8222;wir w\u00fcrden gerne mal wieder bei euch vorbeischauen.&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;Sch\u00f6n, Miriam, ich rufe euch dann nochmals an wegen der genauen Daten.&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;Bis dann, Roger, geniesse den sch\u00f6nen Abend noch.&#8220; Miriam legte auf. Sie mochte Roger und Angela und sie freute sich bereits jetzt auf deren Party. Sie h\u00f6rte gerade noch ein leises Ticken, bevor Tobi das Wort wieder an John Wayne \u00fcbergab.<\/p>\r\n<p>Die Uhr an ihrem Handgelenk lief pl\u00f6tzlich.<\/p>\r\n<p>Und sie lief r\u00fcckw\u00e4rts.<\/p>\r\n<p>Miriam bekam es mit der Angst zu tun. Sie wollte die Uhr abziehen und wegwerfen, doch als sie die Schnalle nur schon ein klein wenig gelockert hatte, durchfuhr sie sofort ein stechender Schmerz. Sie zog das Band gleich wieder fest. Die Uhr lief immer noch.<\/p>\r\n<p>&#8222;Puh!&#8220;<\/p>\r\n<p>Zwei kr\u00e4ftige Arme packten sie von hinten. Mit einem lauten Schrei fuhr Miriam herum.<\/p>\r\n<p>&#8222;Geht&#8217;s dir nicht gut?&#8220;, fragte ihr ziemlich verst\u00f6rter Ehemann leise.<\/p>\r\n<p>&#8222;Doch, doch, es ist nur das Wetter. Ich habe etwas Angst vor dem Gewitter.&#8220;<\/p>\r\n<p>Die Uhr tickte ein letztes Mal und blieb dann stehen.<\/p>\r\n<p>&#8222;Na, na!&#8220;, meinte J\u00fcrg und gab ihr einen leichten Klaps auf den Hintern.<\/p>\r\n<p>Ein lauter Donnerschlag unterbrach den letzten Willen eines sterbenden Farmers auf dem Fernseher. Tobi hatte Tr\u00e4nen in den Augen.<\/p>\r\n<p>Dann bemerkte J\u00fcrg erstaunt die alte Uhr an Miriams Handgelenk.<\/p>\r\n<p>&#8222;Wo hast du die denn aufgetrieben?&#8220;<\/p>\r\n<p>Miriam zuckte leicht zusammen. &#8222;Ach, die hat mir Andi vorhin vorbeigebracht.&#8220; Andi war ein guter Freund der Dutsches und Besitzer eines Tr\u00f6delladens.<\/p>\r\n<p>&#8222;Zeig mal her!&#8220; Widerwillig hob Miriam ihren Arm hoch. &#8222;Sie l\u00e4uft ja gar nicht&#8220;, stellte J\u00fcrg fest, &#8222;oder ist es bereits f\u00fcnf Minuten vor Mitternacht?&#8220;<\/p>\r\n<p>Miriam schluckte.<\/p>\r\n<p>&#8222;Zieh sie bitte ab&#8220;, bat J\u00fcrg.<\/p>\r\n<p>&#8222;Nein!&#8220;, entgegnete Miriam etwas zu laut. &#8222;Mir gef\u00e4llt sie! Ich bin m\u00fcde. J\u00fcrg, kannst du bitte Tobi heute ins Bett bringen? Ich gehe schon nach oben.&#8220; Sie war bereits auf der Treppe, als J\u00fcrg sie nochmals fragte: &#8222;Gef\u00e4llt dir die Uhr wirklich?&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;Ja sicher&#8220;, antwortete Miriam und ging hinauf. J\u00fcrg Dutsche glaubte irgendwie, dass seine Frau ihn heute zum ersten Mal in ihrer Ehe angelogen hatte.<\/p>\r\n<p>Das Unwetter hatte sich verzogen und es regnete nur noch leicht. In der Ferne fuhr ein Zug vorbei. Miriam legte sich ins Bett und zog die Decke \u00fcber sich. Die Zeiger der Uhr standen noch immer auf f\u00fcnf Minuten vor zw\u00f6lf. Sie dachte wieder an die Nachricht auf dem Paket.<\/p>\r\n<blockquote>\r\n<p>&#8222;Ehrlichkeit ist nicht alles.&#8220;<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p>J\u00fcrg schlich sich ins Zimmer. &#8222;Schl\u00e4fst du schon, Liebling?&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;Nein, noch nicht&#8220;, murmelte Miriam leise und sp\u00fcrte, wie die Uhr unter der Decke fast unh\u00f6rbar zu ticken begann. J\u00fcrg zog sich aus und stieg zu ihr ins Bett. Stille beherrschte das Zimmer.<\/p>\r\n<p>&#8222;Was bedr\u00fcckt dich?&#8220;, erkundigte sich J\u00fcrg z\u00e4rtlich.<\/p>\r\n<p>&#8222;Nichts&#8220;, sagte Miriam und nur ihr fiel auf, dass ihre Uhr wieder still geworden war. &#8222;Ich m\u00f6chte schlafen.&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;Nun gut, ich w\u00fcnsche dir eine gute Nacht, Schatz.&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;Ich dir auch&#8220;, entgegnete Miriam und dieses Mal bemerkte niemand, wie sich die Zeiger der Uhr in diesem Augenblick wieder in Bewegung begaben.<\/p>\r\n<p>Der n\u00e4chste Tag begann ruhig. die Beatles besangen gerade ihr gelbes Unterseeboot, als der Radiowecker der Dutsches mit einsetzte.<\/p>\r\n<p>&#8222;Morgen, Schatz&#8220;, fl\u00fcsterte J\u00fcrg.<\/p>\r\n<p>&#8222;Hi&#8220;, sprach Miriam mehr schlafend als wach. Tina Turner wollte die Beatles gerade abl\u00f6sen, als J\u00fcrg sie mit der Stopptaste des Weckers verstummen liess.<\/p>\r\n<p>&#8222;Ich muss heute fr\u00fch raus. Willst du auch einen Kaffee?&#8220;<\/p>\r\n<p>Miriam r\u00e4kelte sich. &#8222;Ja gerne, aber ohne Zucker, Liebling.&#8220;<\/p>\r\n<p>&#8222;Ich weiss&#8220;, sprach J\u00fcrg, welcher sich bereits auf der Treppe nach unten befand. Miriam drehte sich und blickte auf ihre Uhr. Eisige K\u00e4lte umh\u00fcllte sie. Die Uhr zeigte Viertel vor drei, aber es war nicht die Zeit, die sie so erschreckte.<\/p>\r\n<p>Die r\u00f6mischen Ziffern waren alle weg! Sie waren einfach verschwunden! Anstelle der 12 befand sich eine grosse Null. Auch der Name in der Mitte hatte sich ver\u00e4ndert. Nun stand dort nicht mehr &#8222;Marwan Rozinak&#8220;, sondern &#8222;Miriam Dutinak&#8220;. Sie rieb sich die Augen und schaute nochmals auf den Namen. Das &#8222;i&#8220; im zweiten Wort verformte sich langsam in ein &#8222;s&#8220;.<\/p>\r\n<p>&#8222;Miriam Dutsnak&#8220;<\/p>\r\n<p>Und pl\u00f6tzlich erkannte sie das schreckliche Geheimnis der Uhr. Sie wusste es einfach.<\/p>\r\n<p>Wenn beide Zeiger der Uhr bei Null ankamen, w\u00fcrde in der Mitte ihr vollst\u00e4ndiger Name stehen und das w\u00fcrde ihrem Leben ein sofortiges Ende bereiten. Miriam war sich ganz sicher. Aber warum blieb die Uhr denn willk\u00fcrlich stehen?<\/p>\r\n<blockquote>\r\n<p>&#8222;Ehrlichkeit ist nicht alles.&#8220;<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p>Oh Gott!<\/p>\r\n<p>Die Uhr begann zu laufen, als sie Roger gestern am Telefon sagte, sie freue sich auf die Party. Was stimmte. Sie stoppte, als Miriam J\u00fcrg vorlog, sie h\u00e4tte Angst vor dem Gewitter. Sie lief jedoch wieder, als sie dann J\u00fcrgs Frage, ob sie schon schlafe, wahrheitsgem\u00e4ss verneinte. Sp\u00e4ter hielten die Zeiger wieder an, als Miriam erkl\u00e4rte, sie bedr\u00fccke nichts und das Ganze musste wieder ins Rollen gekommen sein, als Miriam J\u00fcrg eine gute Nacht w\u00fcnschte.<\/p>\r\n<blockquote>\r\n<p>&#8222;Ehrlichkeit ist nicht alles.&#8220;<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p>Verflucht, sie w\u00fcrde sterben, wenn sie die Uhr nicht wieder stoppen konnte. Und dann tat Miriam so ziemlich das D\u00fcmmste, was sie in dieser Situation tun konnte.<\/p>\r\n<p>Sie fiel in Ohnmacht.<\/p>\r\n<p>Als J\u00fcrg Dutsche sah, dass seine Angetraute wieder eingenickt war, schlich er sich an ihr Bett und gab ihr einen sanften Kuss auf ihre Stirn. Den Kaffee w\u00fcrde er provokativ auf dem K\u00fcchentisch stehenlassen. Und obwohl J\u00fcrg seine Frau in diesem Moment zum letzten Mal lebend sah, drehte er sich nicht einmal zu ihr um, als er zur T\u00fcr hinausging.<\/p>\r\n<p>Irgendwann begann Tobi in seinem Zimmer mit seinen Autos zu spielen und Miriam kam wieder zu sich. Mit schrecklicher Genauigkeit erinnerte sie sich sofort wieder an alles.<\/p>\r\n<blockquote>\r\n<p>&#8222;Ehrlichkeit ist nicht alles.&#8220;<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p>Sie schaute auf ihre Uhr. Nur noch eine Viertelstunde! Miriam Dutsche, du hast nun nicht mehr l\u00e4nger als 15 Minuten zu leben!<\/p>\r\n<p>Sie musste die Uhr irgendwie anhalten. Sie musste eine L\u00fcge aussprechen. Es war jetzt zehn Uhr und der Nebel umh\u00fcllte ihr Haus. Nerv\u00f6s sprang Miriam die Treppe hinunter. Eine L\u00fcge, schnell eine L\u00fcge!<\/p>\r\n<p>Miriam bremste abrupt ab und dachte nach. Dann sprach sie langsam aber laut zum Treppengel\u00e4nder: &#8222;Ich werde diese Sache nicht \u00fcberleben!&#8220;<\/p>\r\n<p>\u00c4ngstlich senkte Miriam ihren Kopf.<\/p>\r\n<p>Tick&#8230;tick&#8230;tick&#8230;<\/p>\r\n<p>Noch zehn Minuten. Es war keine L\u00fcge gewesen! Die Uhr lief weiter.<\/p>\r\n<p>Oh mein Gott!<\/p>\r\n<p>Sie w\u00fcrde sterben. Sie w\u00fcrde bereits den heutigen Abend nicht mehr erleben. Miriam rannte schreiend aus dem Haus. Im Kinderzimmer begann Tobi zu weinen. Er schluchzte noch immer, als J\u00fcrg ihn dort zwei Stunden sp\u00e4ter, als alles bereits sein Ende gefunden hatte, in die Arme nahm.<\/p>\r\n<p>Miriam war keine sportliche Frau. Dennoch sprachen Zeugen sp\u00e4ter davon, dass eine Irre wie wild in ihrem Nachthemd an ihnen vorbeigeflitzt w\u00e4re. Miriam rannte noch immer schreiend durch den Nebel. Sie lief \u00fcber mehrere Strassen, ohne von einem Wagen angefahren zu werden. Als Miriam die Zuglinie nach N\u00fcrnberg \u00fcberquerte, bog sie pl\u00f6tzlich links ab und folgte den Geleisen.\u00a0Weder die Polizei noch J\u00fcrg konnten sich sp\u00e4ter erkl\u00e4ren weshalb. Miriam h\u00e4tte es wahrscheinlich auch nicht gekonnt. Der Nebel war nun so dicht, dass sie nicht viel weiter als bis zu ihren Fussspitzen sehen konnte.<\/p>\r\n<p>H\u00f6ren konnte sie jedoch noch immer sehr gut. Und nun ratterte ein Zug leise weit hinter ihr. Doch das Ger\u00e4usch wurde lauter.<\/p>\r\n<p>&#8222;Was tue ich hier?&#8220;, fragte sie sich pl\u00f6tzlich. &#8222;Mein Gott, was in aller Welt soll das?&#8220;<\/p>\r\n<p>Miriam war noch immer in Bewegung, als der Zug sie von hinten erfasste. Erwin, der Zugf\u00fchrer, wiederholte sp\u00e4ter immer wieder, er habe zwar etwas aufschlagen geh\u00f6rt, was es gewesen sei, habe er jedoch bei diesem gottverdammten Nebel nicht sehen k\u00f6nnen.<\/p>\r\n<p>Miriam klatschte mit dem Gesicht nach unten auf den schlammigen Boden. Sie war in einen Graben geflogen. Es fiel ihr schwer zu atmen. Sie \u00fcberlegte noch immer, wie sie denn bloss hierher gekommen war, als alles auf einmal schwarz wurde.<\/p>\r\n<p>Die Uhr gab ein letztes Ticken von sich, der Minutenzeiger schwang auf Null und das seltsame Ger\u00e4t an Miriam Dutsches Handgelenk l\u00f6ste sich in Luft auf.<\/p>\r\n<p>Der Wind wehte leise und wenn man sich sehr konzentrierte, konnte man weit entfernt das Ger\u00e4usch eines fahrenden Zuges h\u00f6ren.<\/p>\r\n<p>Vielleicht sollte man noch erw\u00e4hnen, dass zur gleichen Zeit an einem ganz anderen Ort ein Kurier den Auftrag erhielt, ein altes Paket an eine bestimmte Adresse zu liefern.<\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><em>In der Geschichtenkiste sammelt Staromat alte und neue Erz\u00e4hlungen aus der eigenen Feder.<\/em><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?cat=44\"><em>Hier geht&#8217;s hinein in die Geschichten-Schatztruhe!<\/em><\/a><\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p><em>Hast du selbst eine <strong>Anregung<\/strong> f\u00fcr eine Geschichte? Eine Ausgangslage, ein Bild, ein Traum, ein Erlebnis? Mail an logoroe [\u00e4t] gmx.ch und wer weiss, vielleicht findet schon bald &#8222;deine&#8220; Geschichte hier in die Kiste!<\/em><\/p>\r\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"10\" \/><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zeiten, in denen viel Zeit zur Verf\u00fcgung steht, ist es an der Zeit, fr\u00fchere Zeiten aufzuarbeiten. Ich f\u00fcr meinen Teil habe mich auf die Suche nach alten (und neuen) Geschichten von mir gemacht. Und bin sowas von f\u00fcndig geworden!\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[44],"tags":[],"class_list":["post-6859","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichtenkiste"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.logoroe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6859","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.logoroe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.logoroe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.logoroe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.logoroe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6859"}],"version-history":[{"count":35,"href":"https:\/\/www.logoroe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6859\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8511,"href":"https:\/\/www.logoroe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6859\/revisions\/8511"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.logoroe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6859"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.logoroe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6859"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.logoroe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6859"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}