{"id":3859,"date":"2012-01-17T22:35:02","date_gmt":"2012-01-17T21:35:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.logoroe.ch\/?p=3859"},"modified":"2021-12-21T21:50:37","modified_gmt":"2021-12-21T20:50:37","slug":"switzerlands-next-gopf-egg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=3859","title":{"rendered":"Switzerland&#8217;s next G\u00f6pf Egg"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=3859\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2092 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/vor-dem-buro.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Jassturnier der Z\u00fcrcher Justiz bietet stets beste Unterhaltung und Spielfreude, jedoch selten \u00dcberraschendes, was die Podestpl\u00e4tze angeht. Die 2011er Ausgabe erlaubte sich hier f\u00fcr einmal eine Ausnahme. Eine unglaubliche Geschichte in sieben Kapiteln.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong> Kapitel 1: Die Vorgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich sollte ich das Jassen im Blut haben. Meine Grosseltern waren begeisterte Spieler, mein Vater organisierte w\u00f6chentlich einen Jassabend, meine Mutter war einst Telefonjasserin beim Samschtigsjass (gut, meine Mutter war auch Teilnehmerin bei Deal or No Deal, Karrussel, 5 gegen 5 etc., aber das ist eine andere Geschichte). Auf alle F\u00e4lle h\u00e4tte ich die besten Voraussetzungen zum G\u00f6pf Staromat gehabt, wenn man mich denn gelassen h\u00e4tte! Das Gegenteil war jedoch der Fall! Nicht selten beklagte sich ein Familienmitglied, dass wir leider nicht genug Leute f\u00fcr einen Schieber seien, worauf Klein Staromat in die Runde schaute und &#8211; mit sich selbst &#8211; auf vier Spieler kam. Die restlichen Familienmitglieder winkten jedoch stets gleich ab: &#8222;Nei, nei, es brucht vier, wo jasse ch\u00f6nd.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Kapitel 2: Die Zeit heilt nicht alle Wunden<\/strong><\/p>\n<p>Sommer 2011 zu Besuch bei den Eltern: Nach einem feinen Essen frage ich: &#8222;Und? Mached mer no en Jass?&#8220; Die Mutter beginnt den Tisch abzur\u00e4umen, der Vater fragt, wer Kaffee m\u00f6chte und der Schwager erz\u00e4hlt etwas von einem Fussballspiel. Perplex blicke ich in die Runde. Darauf der Vater: &#8222;Wie bitte? Du h\u00e4sch das ernscht gmeint mit em Jasse?&#8220;<\/p>\n<p><strong>Kapitel 3: Die dargebotene Hand<\/strong><\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tten sie eigentlich wissen m\u00fcssen, dass aus ihrem ehemaligen Mobbing-Opfer ein zuverl\u00e4ssiger Turnierspieler geworden war. Zuverl\u00e4ssig bis anhin nur im Sinne von jedes Mal mit dabei, versteht sich. Es war im Herbst 2006, als die damalige KV-Lernende Nina D. mich f\u00fcrs Justiz-Turnier anfragte und mich aus dem jasstechnischen Niemandsland holte. Ich schlug ein und wir gingen sensationell unter. Ninas Helfersyndrom war angeworfen und Jahr f\u00fcr Jahr holten wir eine weitere Klatsche ab.<\/p>\n<p>2011 sollte alles anders kommen! Neben einer seri\u00f6sen Vorbereitung (ein Jassabend mit Kollegen), erhielt ich von Nina f\u00fcr die Turnierwoche handfeste Auflagen: Stets um 21 Uhr Lichterl\u00f6schen sowie am Turniertag ein sp\u00e4ter Arbeitsbeginn, um die \u00fcblichen M\u00fcdigkeitsfehler zu vermeiden. Sie wollte es wirklich wissen! Angestachelt von ihrem Ehrgeiz fragte ich am Vortag meinen ehemaligen Chef, ob ich ihm nach dem Turnier eine SMS mit unserem Schlussrang oder gleich eine MMS von uns mit dem Pokal zusenden solle.<\/p>\n<p><strong>Kapitel 4: Von W\u00fcrfeln und Spickzetteln<\/strong><\/p>\n<p>Dann ging das Turnier los und nach einer ordentlichen ersten Runde setzten wir uns zu unseren n\u00e4chsten Gegnerinnen. W\u00e4hrend die eine der beiden sympathischen Frauen permanent die Worte Austeilen und W\u00fcrfeln verwechselte (&#8222;W\u00e4r isch dra mit W\u00fcrfle?&#8220;) legte die andere gleich zu Beginn einen Zettel auf den Tisch: &#8222;Reihenfolge: Ass: 11 Punkte, K\u00f6nig: 4 Punkte, Ober: 3 Punkte usw.&#8220; Man kann wohl sagen, dass hier der Grundstein gelegt wurde f\u00fcr alles, was folgte.<\/p>\n<p><strong>Kapitel 5: Einsam im Erfolg<\/strong><\/p>\n<p>So lagen wir also nach der zweiten Runde pl\u00f6tzlich auf Rang 1! Zum allerersten Mal! Nina und ich! W\u00e4hrend meine Jasspartnerin mit zitternden H\u00e4nden versuchte, die Tabelle zu fotografieren, stolzierte ich durch den ganzen Saal und fischte nach Komplimenten. Normalerweise wird man in den Spielpausen andauernd gefragt, wie es denn so laufe und auf welchem Rang man sich befinde. Nicht so aber in diesem Fall! Teilweise hob ich sogar mehrmals die Augenbrauen, um die begehrte Frage auszul\u00f6sen. Fehlanzeige.<\/p>\n<p><strong>Kapitel 6: The Winner takes it all<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem wir die Tabellenf\u00fchrung nach der vierten Partie noch immer inne hatten, ja sogar ausbauen konnten, erlebte ich vor der Schlussrunde ein ganz neues Gef\u00fchl. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich beim Jassen pl\u00f6tzlich etwas verlieren! Voller Nervosit\u00e4t begaben wir uns zum letzten Tisch: &#8222;Heilige Strohsack, Nina, mir g\u00fcnned das Turnier h\u00fct!&#8220;<\/p>\n<p>Und wirklich! Auch in Runde 5 lief alles f\u00fcr uns und es begann ein angespanntes Warten auf die Rangverk\u00fcndigung. Ich muss zugeben, dass es die erste war, bei welcher ich bis zum Schluss anwesend blieb. Rang 10: nicht wir. Rang 9: nicht wir. Rang 8: Ninas Vater, aber nicht wir. Und so weiter. Dann der Moment, wo wir als bestes Team ausgerufen wurden und unter dem Applaus der ganzen Jass-Schar den Pokal in Empfang nehmen durften! Es war unbeschreiblich, vollkommen surreal! So muss sich ein Jamaikaner f\u00fchlen, der im Bobfahren gewinnt.<\/p>\n<p><strong>Kapitel 7: Die Stunden danach<\/strong><\/p>\n<p>Vollgepumpt mit euphorischen Gl\u00fcckshormonen kopierte ich die Schlussrangliste 14 Mal und legte sie jedem Abteilungsmitglied auf die Tastatur, ein Exemplar klebte ich in den Teamk\u00fchlschrank (das Turnier fand an meinem Arbeitsort statt). Zuhause angekommen rannte ich schon fast die Stufen hoch, um meiner Frau unseren unglaublichen Triumph zu verk\u00fcnden, die ganze Familie schlief jedoch bereits tief und fest. Einzig ein handgeschriebener Zettel lag vor der T\u00fcre: &#8222;Stell d\u00e4 Fr\u00fcchtechorb i d&#8217;Stube (ha ha) und ab is Bett!&#8220; Pfffffft! Der Pokal und ich, wir \u00fcbernachteten dann gemeinsam auf dem Sofa\u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"10\" \/><\/p>\n<p><em>Die Kolumne &#8222;Vor dem B\u00fcro&#8220; erschien von 2009 bis 2013 in der Letzten Pendenz, dem Mitarbeiter-Magazin der Staatsanwaltschaft Z\u00fcrich. Staromat schilderte darin die Welt der Justiz aus den Augen einer m\u00e4nnlichen Sekret\u00e4rin.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?cat=29\"><em>Hier geht&#8217;s zu allen Vor-dem-B\u00fcro-Kolumnen!<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jassturnier der Z\u00fcrcher Justiz bietet stets beste Unterhaltung und Spielfreude, jedoch selten \u00dcberraschendes, was die Podestpl\u00e4tze angeht. Die 2011er Ausgabe erlaubte sich hier f\u00fcr einmal eine Ausnahme. 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