{"id":1860,"date":"2011-04-13T13:25:12","date_gmt":"2011-04-13T12:25:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.logoroe.ch\/?p=1860"},"modified":"2021-12-21T21:51:59","modified_gmt":"2021-12-21T20:51:59","slug":"also-nomal-parkring","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=1860","title":{"rendered":"&#8222;Also nomal Parkring&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=1860\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2092 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/vor-dem-buro.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"120\" \/><\/a>Hin und wieder werde ich gefragt, ob mein Job bei der Staatsanwaltschaft denn nicht gef\u00e4hrlich sei, inmitten all der Verbrecher und so. Die Arbeit an sich nicht unbedingt, pflege ich jeweils zu antworten, der Arbeitsweg hingegen manchmal schon.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Tatort: Ein Bus der Linie 66, unterwegs von Wollishofen zur Sihlstrasse. Tatzeit: Vor ca. 5 Jahren. Aufgrund einer Baustelle beim H\u00fcrlimannareal &#8211; die ganze Brandschenkestrasse war nur in eine Richtung befahrbar &#8211; musste die Linie 66 seit l\u00e4ngerer Zeit einen kleinen Umweg fahren. Bis zur Zusatz-Haltestelle Parkring verlief alles noch nach (Fahr)Plan. Etwas sp\u00e4ter jedoch bog der Bus pl\u00f6tzlich nach links ab.<\/p>\n<p><strong>&#8222;H\u00e4ttet mir da n\u00f6d nach rechts m\u00fcesse?&#8220;<\/strong> fl\u00fcsterte eine \u00e4ltere Dame hinter uns. Ein Blick aus dem Fenster bekr\u00e4ftigte ihre Bedenken. Der Bus fuhr durch eine kleine Quartierstrasse,\u00a0die ich bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht kannte.<\/p>\n<p>Die Chauffeuse blieb entweder absolut cool oder hatte ihren Fauxpas gar noch nicht bemerkt, fuhr sie doch unbeirrt weiter, derweil sich die Quartierstrasse mehr und mehr zu einem Quartierweg verengte, welcher obendrauf auch noch massiv \u201eunder construction\u201c war. Hinter rotweissen Latten\u00a0sch\u00fcttelten Bauarbeiter verwirrt ihre K\u00f6pfe ob des ungewohnten Anblickes eines ZVV-Busses an dieser Stelle.<\/p>\n<p>Bald schwand der vorhandene Raum beidseits des Busses auf ein absolutes Minimum. Die Fahrgeschwindigkeit hatte sich auf Schritttempo verlangsamt und s\u00e4mtliche Fahrg\u00e4ste blickten ernsthaft besorgt aus den Fenstern. Ob man den Bus mit blossem R\u00fcckw\u00e4rtsfahren hier wieder heraus bringen w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Doch noch ging es vorw\u00e4rts. Pl\u00f6tzlich erklang von der linken Busseite her ein f\u00fcrchterliches Quietschen, wie wenn ein Fingernagel \u00fcber eine Wandtafel gezogen wird. Krachend dr\u00fcckte der Bus mehrere Absperrungsbretter zur Seite.<\/p>\n<p>Totenstille im Bus. Wer jetzt gedacht h\u00e4tte, die Fahrerin w\u00fcrde anhalten und die Kavallerie zur Hilfe rufen, sah sich massiv get\u00e4uscht. Durch die umgefallene Bauabschrankung erhielt der Bus wieder mehr Platz und die Chauffeuse fuhr weiter.<\/p>\n<p>Dann der n\u00e4chste Knaller. Mit einer spektakul\u00e4ren Spitzkehre, bei welcher der Bus ein Strassenschild wegknickte, erreichten wir die Brandschenkestrasse, mussten jedoch dort die unerw\u00fcnschte Gegenfahrtrichtung einschlagen. So befanden wir uns alle quasi bereits wieder auf dem R\u00fcckweg. W\u00fcrde sie den Bus nun wirklich, mir nichts dir nichts, einfach zur\u00fcck nach Wollishofen steuern?<\/p>\n<p><strong>&#8222;Jetzt chunnt&#8217;s au n\u00fcme druf a&#8220;<\/strong> sagte die Chauffeuse und bog bei der Kreuzung Waffenplatzstrasse verbotenerweise und h\u00f6chst riskant nach links ab. Dank diesem Kunstgriff landete der Bus wieder auf der normalen Strecke und steuerte zum zweiten Mal die Haltestelle Parkring an.<\/p>\n<p><strong>\u201eAlso nomal Parkring\u201c<\/strong> verk\u00fcndete die Fahrerin trocken \u00fcbers Mikrophon. Mindestens die H\u00e4lfte der Fahrg\u00e4ste stieg sofort aus. Darunter viele, welche Minuten zuvor exakt bei dieser Station eingestiegen waren.<\/p>\n<p>Diejenigen, welche im Bus ausharrten, wurden mit einer Durchsage belohnt, wie ich sie in einem \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel noch nie geh\u00f6rt hatte: <strong>\u201eWeiss \u00f6pper wo\u2019s dure gaht? D\u00e4nn s\u00f6ll er doch bitte f\u00fcre cho.\u201c<\/strong> Auf diese Art fand der Bus schliesslich doch noch zur Sihlstrasse und ich etwas sp\u00e4ter zum Bezirksgeb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Die Chauffeuse des damaligen Tages habe ich nie wieder gesehen, weder auf der Linie 66 noch im B\u00fcro bei einer Verkehrsdelikt-Einvernahme. Ich hoffe jedoch schwer, dass sie ihren Job behalten konnte. Eine solche Fahrt wird einem nicht alle Tage offeriert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"10\" \/><\/p>\n<p><em>Die Kolumne &#8222;Vor dem B\u00fcro&#8220; erschien von 2009 bis 2013 in der Letzten Pendenz, dem Mitarbeiter-Magazin der Staatsanwaltschaft Z\u00fcrich. Staromat schilderte darin die Welt der Justiz aus den Augen einer m\u00e4nnlichen Sekret\u00e4rin.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?cat=29\"><em>Hier geht&#8217;s zu allen Vor-dem-B\u00fcro-Kolumnen!<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hin und wieder werde ich gefragt, ob mein Job bei der Staatsanwaltschaft denn nicht gef\u00e4hrlich sei, inmitten all der Verbrecher und so. 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