{"id":15,"date":"2007-03-13T17:16:00","date_gmt":"2007-03-13T16:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.logoroe.ch\/?p=15"},"modified":"2021-12-22T23:06:30","modified_gmt":"2021-12-22T22:06:30","slug":"willst-du-mit-mir-ficken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.logoroe.ch\/?p=15","title":{"rendered":"Willst du mit mir ficken?"},"content":{"rendered":"<p>Aus den Memoiren eines DJs (1): Nachdem ich k\u00fcrzlich im Abart quasi meine Platten an den Nagel geh\u00e4ngt habe, wird es Zeit f\u00fcr einen R\u00fcckblick. 10 Jahre lang Vollgas als Hitschlampe unterwegs, da kommen doch so einige Anekdoten zusammen! Er\u00f6ffnen m\u00f6chte ich die neue Logor\u00f6-Serie &#8222;Aus den Memoiren eines DJs&#8220; mit einer ziemlich direkt formulierten Offerte eines englischen AuPair-M\u00e4dchens, mit welchem ich vor ihrem unmoralischen Angebot noch nie ein Wort gewechselt hatte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich versuche es immer wieder zu verdr\u00e4ngen, aber es f\u00fchrt kein Weg daran vorbei. So richtig begonnen hat meine &#8222;\u00f6ffentliche&#8220; DJ-Karriere in einem Pub namens Nelson. Bevor ich mir dort jeweils den Mittwoch Abend als Staromat-Abend sichern konnte, war ich doch auch hin und wieder am Wochenende im Einsatz. Und da ist im Nelson die H\u00f6lle los, das muss man so formulieren.<\/p>\n<p>Neben der Tatsache, dass man die aktuellen Hitparaden-Knaller auf zahlreichen Wunsch der G\u00e4ste mindestens jede Stunde wiederholen muss, ist man auch exponiert als Ansprechperson f\u00fcr allerlei kuriose G\u00e4ste. Da war zum Beispiel der ca. 35j\u00e4hrige Stammgast, der immer zielstrebig zu mir auf die DJ-Kanzel steuerte und mir jeweils viel zu exakt seine aktuelle medizinische Krankengeschichte protokollierte. Als DJ hat man ja das Problem (oder den Vorteil), dass man jedes Gespr\u00e4ch ca. alle drei Minuten kurz unterbrechen muss, da der n\u00e4chste Song bereitgelegt (und vorher angeh\u00f6rt) werden sollte. Spricht man mit jemandem gerade \u00fcber das Wetter oder dar\u00fcber, wie viele Schallplatten wer wo zuhause lagert (so quasi der Schwanzl\u00e4ngenvergleich der DJs), geht das problemlos \u00fcber die B\u00fchne. Ist man jedoch mitten in der Anh\u00f6rung einer Operations-Schilderung, wo der Patient unmittelbar vor der Leben oder Tod Schwelle steht, entstehen doch anf\u00e4nglich einige Skrupel, bis man ein kurzes &#8222;Moment bitte&#8220; einschieben und den Kopfh\u00f6rer schnellstm\u00f6glich \u00fcber die Ohren st\u00fclpen kann.<\/p>\n<p>Irgendwann jedoch fiel mir bei obiger Person auf, dass mein Gegen\u00fcber mich offenbar gar nicht richtig wahrnahm. Erz\u00e4hlte er doch einfach fleissig weiter, w\u00e4hrend ich mit angesetzten Kopfh\u00f6rern und Anastacia in den Ohren meinen Plattenkoffer nach einem passenden Anschlussst\u00fcck durchw\u00fchlte. Als ich die H\u00f6rer wieder abnahm, hatte der Patient die Operation bereits \u00fcberlebt und war mitten in der Beschreibung der Narbenbehandlung. Fantastisch! Meine moralischen Gespr\u00e4chs-Unterbrechungs-Bedenken sanken bei dieser Person fortan praktisch auf Null, da ich den Kopfh\u00f6rer zwischendurch gar nicht mehr absetzte. Eine Variante der Kommunikation, welche in meinen restlichen DJ-Jahren doch noch einige Male zum Einsatz kam. K\u00f6nnte es sein, dass aufgrund solcher Praktiken unseres Berufsstandes das Ger\u00fccht aufgekommen ist, DJs seien arrogante Zeitgenossen?<\/p>\n<p>Kommen wir endlich zum vielversprechenden Titel dieses Beitrags, schliesslich d\u00fcrften ca. 85% der Leser (weibliche Form bewusst nicht integriert) ohnehin bloss aufgrund der &#8222;Willst du mit mir ficken?&#8220;-Frage im Titel bis hierhin durchgehalten haben.<\/p>\n<p>Das Nelson ist bekannt als Treffpunkt schwedischer, englischer, amerikanischer (etc.) AuPair-Girls. F\u00fcr eine gewisse Klientel haben diese den Vorteil, dass sie erstens allesamt ca. 17j\u00e4hrig sind und sich zweitens meistens nicht mehr allzu lange im Land (und damit in der eigenen N\u00e4he) aufhalten werden.<\/p>\n<p>Eines Abends kam also ein solches Wesen zu mir ans Mischpult und seuselte ohne irgendwelche \u00fcberfl\u00fcssige Anrede: &#8222;do you have a girlfriend?&#8220;. Seri\u00f6s wie ich mich als Angestellter eines Musikclubs zu verhalten habe, dachte ich nat\u00fcrlich, dass es sich dabei um den Titel eines von ihr gew\u00fcnschten Songs handeln w\u00fcrde und ich ihn im allgemeinen (und zur Hauptsache selbst verursachten) L\u00e4rm nicht richtig verstanden h\u00e4tte. Irgendwann begriff ich den Kontext und bejahte ihre Frage nach meinem Girlfriend der Wahrheit entsprechend. Sie kuckte mich mit s\u00fcssesten Teenie-Augen an (Kopf gesenkt, unschuldiger Blick nach oben, mindestens 100 mal vor dem Spiegel ge\u00fcbt) und fl\u00fcsterte laut in mein Ohr (die Kopfh\u00f6rer hatte ich in diesem Fall selbstverst\u00e4ndlich nicht im Einsatz), dass das jetzt aber sehr schade sei, weil sie doch schon immer unbedingt einmal mit einem DJ Sex haben wollte.<\/p>\n<p>Ich schluckte kurz und \u00fcberlegte mir, ob denn dieses M\u00e4dchen einfach alle Berufsgattungen durchbegattete und sie nun nach Architekt, Brieftr\u00e4ger und Coiffeur bei D wie DJ angelangt war.<\/p>\n<p>Viel Zeit zum \u00dcberlegen blieb mir nicht. Denn bereits gab sie mir noch eine zweite Chance (eine solche sollte ja bekanntlich jeder im Leben erhalten). &#8222;Do you REALLY have a girlfriend?&#8220; wisperte sie und betonte dabei wunderbar kitschig das R von rrrrrreally.<\/p>\n<p>In meinem Kopf h\u00f6rte ich Boy George singen &#8222;Do you rrrrrrreally want to hurt me&#8220;, ihre Nachfrage war jedoch nicht unangebracht. Es w\u00e4re ja m\u00f6glich gewesen, dass ich seit meiner Antwort vor drei Sekunden eine schlimme Trennung inkl. erledigter Schmerzverarbeitungszeit durchgemacht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck f\u00fcr mich (und wahrscheinlich auch f\u00fcr sie) blieb ich standfest und erkl\u00e4rte ihr, dass sich mein Zivilstand unver\u00e4ndert bei gl\u00fccklich gebunden bef\u00e4nde.<\/p>\n<p>Zack &#8211; ohne Musikwunsch war das M\u00e4dchen weg von der Kanzel. Es gibt ja schliesslich nicht nur einen DJ in Z\u00fcrich und Zeit ist eine wertvolle Ressource. Ich habe sie danach noch einige Male im Nelson gesehen, die ganze Sache war ihr jedoch weder peinlich noch erinnerte sie sich vermutlich auch nur im Entferntesten daran. Wahrscheinlich war sie auch bereits irgendwo zwischen J wie Jurist und K wie Kammerj\u00e4ger unterwegs&#8230;<\/p>\n<p><em>Die Serie &#8222;Aus den Memoiren eines DJs&#8220; offenbart schockierende, der \u00d6ffentlichkeit bisher vorenthaltene Details aus dem Arbeitsalltag eines Plattenlegers. S\u00e4mtliche Begebenheiten sind effektiv exakt so erlebt (und mehr oder weniger verarbeitet) worden. Nichts ist Fiktion! Sollte jedoch jemand das Gef\u00fchl erhalten, sich in der einen oder anderen erw\u00e4hnten Person zu erkennen, so weise ich darauf hin, dass alles in dieser Serie nat\u00fcrlich zu 100% erstunken und erlogen ist.<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" title=\"trennlinie\" src=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/trennlinie.gif\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"10\" \/><\/p>\n<p><em>Based on a true Story &#8211; Staromat erz\u00e4hlt als offenes Buch Geschehnisse, die sein Leben bewegten.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.logoroe.ch\/?cat=41\"><em>Hier geht&#8217;s zu allen Erlebnissen!<\/em><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus den Memoiren eines DJs (1): Nachdem ich k\u00fcrzlich im Abart quasi meine Platten an den Nagel geh\u00e4ngt habe, wird es Zeit f\u00fcr einen R\u00fcckblick. 10 Jahre lang Vollgas als Hitschlampe unterwegs, da kommen doch so einige Anekdoten zusammen! 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