Fünf Pinguine für Elmar
Im Rahmen eines Adventsgeschichten-Wettbewerbs suchte die Migros nach besinnlichen Erzählungen, welche folgende Begriffe beinhalten mussten: Bodyshape Trampolin, “Snoopy” Mädchen Pyjama, Bretzeleisen Bricelet, Backschokolade Würfel, Stabmixer Bamix de Luxe 180. Damit lässt sich keine Geschichte schreiben? Staromat war anderer Ansicht und sandte topmotiviert seinen Beitrag ein. Leider teilte die Migros seine Begeisterung nicht gleichermassen und die fünf Pinguine für Elmar landeten irgendwo in den Cumulus-Wolken.
Fünf Pinguine für Elmar
„Rrrrrrrrrrrrrrrr“ vibrierte der Stabmixer Bamix de Luxe 180 pünktlich um 7 Uhr 15 über die hölzerne Oberfläche des Nachttisches. Seit der Anschaffung einer modernen Zeitschaltuhr liess Elmar sich jeden Morgen von einem anderen elektrischen Küchengerät wecken. In einem kleinen Notizblock führte er eine genaue Statistik, welches Gerät wie lange brauchte und wie angenehm es ihn aus seinen Träumen lockte. Am besten abgeschnitten hatte bis anhin der Toaster (wie gut das schon beim Erwachen duftete!), knapp gefolgt von der Saftpresse sowie der Fritteuse. Mit der Mindestnote 1 musste Elmar bisher einzig das Bretzeleisen Bricelet bewerten. Der am Vorabend eingefüllte Teig hatte sich über Nacht vollkommen verdickt und als die Maschine um Viertel nach Sieben in Gang gesetzt wurde, hatte sich rasch eine starke Rauchbildung entwickelt. Elmar wäre an diesem Tag wohl von der Feuerwehr geweckt worden, hätte nicht das freche Kind aus der Wohnung über ihm bereits zu dieser frühen Stunde die ersten Sprünge auf seinem Bodyshape Trampolin vollbracht.
Die Variante Stabmixer überzeugte Elmar jedoch vollends und er entledigte sich gut gelaunt seines „Snoopy“ Mädchen Pyjamas. Der Mann im T’Shirt-Druck-Laden hatte damals nicht schlecht gestaunt, als Elmar die Snoopy-Vorlage zusammen mit dem rosaroten Schlafanzug Grösse XL auf den Tresen legte. Aber was blieb Elmar anderes übrig? Er hatte alle Möglichkeiten ausprobiert und abgesehen vom Hello-Kitty-Einteiler, in welchem er an den Wochenenden schlief, lieferte ihm der Snoopy-Schlafanzug einfach die besten Träume.
Als Elmar in die Küche gelangte und den Wandkalender erblickte, war seine gute Laune wie weggeblasen.
Heute war Weihnachten!
Geschockt setzte er sich an den Küchentisch. Seit Elmar dazu übergegangen war, statt des Weihnachtstages die Nicht-Weihnachtstage festlich zu begehen, war die Anzahl seiner Feierlichkeiten enorm angestiegen. 364 Mal im Jahr (in den Schaltjahren gar 365 Mal) bereitete er sich abends ein feines Mahl zu, liess die Kerzen seines Plastikbaumes brennen – echte Bäume waren ihm auf Dauer zu teuer geworden – und öffnete zu besinnlichen Klängen Geschenke, welche er anschliessend fein säuberlich für die nächste Bescherung wieder einpackte. Auf diese Weise war für Elmar jeder Tag ein Weihnachtstag geworden und er amüsierte sich köstlich über die Engstirnigkeit der anderen Leute, welche sich dieses Vergnügen nur einmal im Jahr gönnten.
Einzig an Weihnachten selbst, da mangelte es Elmar irgendwie an Exklusivität, um so richtig in Stimmung zu kommen. Und so blieb er – wie immer an diesem Tag – am Küchentisch sitzen, starrte auf die Uhr und zählte ständig von neuem die Minuten, die dieser traurige Tag noch dauern würde.
Gegen 18 Uhr fuhr ein Postauto durch seine Wohnung. Zumindest hätte ein unwissender Beobachter diesen Eindruck gehabt, seit Elmar ein Postautohorn mit der Türglocke verbunden hatte. Da Elmar jedoch so gut wie nie Besuch erhielt, zuckte er selbst zusammen, als das Horn erklang.
Irritiert spähte er aus dem Fenster und traute seinen Augen nicht. Unten im schneebedeckten Vorgarten standen fünf Kinder in Pinguinkostümen, allesamt mit Flossen und Taucherbrillen versehen, und intonierten gemeinsam die Schweizer Nationalhymne.
„Wissen Sie, Herr Bättig“, sagte das freche Kind von oberhalb, welches Elmar aufgrund der Verkleidung erst jetzt unter den Pinguinen erkannte, „weil Sie doch immer alles anders machen, und wir das meistens recht lustig finden, wollten wir Ihnen auch einmal eine Freude bereiten.“
Geschmeichelt warf Elmar einige Backschokolade Würfel in den Schnee – er hatte spontan nichts Besseres zur Hand. Die Kinder lachten, sammelten die Würfel ein und stolperten unbeholfen mit ihren Flossen davon. Elmar blickte ihnen lange sprachlos nach.
Weihnachten konnten ja sogar an Weihnachten selbst wunderschön sein.







